Landtagswahl in Südtirol morgen, am 21. Oktober: SVP wirbt jetzt um italienische Wähler | Unzensuriert.de

Landtagswahl in Südtirol morgen, am 21. Oktober: SVP wirbt jetzt um italienische Wähler

Wenn es am Futtertrog enger wird, verlieren viele die Hemmungen. Die SVP fischt jetzt im italienischen Teich. Foto: HaTe / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Wenn es am Futtertrog enger wird, verlieren viele die Hemmungen. Die SVP fischt jetzt im italienischen Teich.
Foto: HaTe / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
20. Oktober 2018 - 8:25

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Zwei Tage vor der Landtagswahl in Südtirol inseriert die als Sammelpartei aller Deutschen und Ladiner gegründete Südtiroler Volkspartei (SVP) in der meistgelesenen italienischsprachigen Tageszeitung Alto Adige – ganzseitig auf Italienisch.

Von 90 Prozent auf 52 Prozent gefallen

1988 vertrat die SVP noch 90 Prozent der Südtiroler Stimmen, die Selbstbestimmungsparteien erst fünf Prozent. Bei den Landtagswahlen 2013 wählten nur mehr 52 Prozent die SVP, dafür aber bereits 37 Prozent der Südtiroler die Unabhängigkeitsparteien. Und die Umfragen zeigen: Der Niedergang am kommenden Sonntag droht ähnlich dramatisch wie für die Schwesterpartei in Bayern zu werden. Schon im Sommer prognostizierten Umfragen, dass sich nur mehr 39 Prozent aller Wähler (also einschließlich italienischer Wähler) morgen für die SVP entscheiden werden.

Frühjahr: zwei alarmierende Wahlergebnisse für die SVP

Bei der Kammerwahl der italienischen Parlamentswahlen am 4. März schaffte die SVP nicht mehr die absolute Mehrheit, und das, obwohl keine deutsche Konkurrenzliste angetreten war. Wes Geistes Kind die früher konservative SVP geworden ist, zeigt, welches Bündnis die SVP eingegangen war, nämlich eines mit dem linken PD. Die deutschen Wähler straften die SVP dafür bei der Kammerwahl ab.

Im Frühjahr hatte zudem der Südtiroler Bauernbund (SBB), letzter und treuester Stand der SVP, Basiswahlen durchgeführt. Trotz gelenkter Spielregeln, die den SVP-Kandidaten Vorteile brachten, wählten 25 Prozent der Bauern den freiheitlichen Kandidaten. Das war eine Sensation – und ein Signal für die SVP.

SVP verrät die Gründungsidee

Südtirols SVP-Landeshauptmann Arno Kompatscher steht daher unter massivem Druck. Aus Furcht, die deutschen und ladinischen Wähler könnten bei der Landtagswahl morgen, am 21. Oktober, scharenweise der SVP den Rücken kehren, sucht die Partei, die seit 1945 an den Schalthebeln der Macht in Südtirol sitzt, neue Wähler – die Italiener.

Nach Schließung der Wahllokale wird man beurteilen können, ob der Verrat an den Gründungsideen der Partei die Funktionäre und ihre Futtertröge retten konnte.

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