Wie man EU-Schutzzölle aushebelt: Harley Davidson produziert bald in Thailand | Unzensuriert.de

Wie man EU-Schutzzölle aushebelt: Harley Davidson produziert bald in Thailand

Mit hohen Schutzzöllen auf US-Motorräder wollte die EU Donald Trump treffen - doch Harley Davidson parierte gekonnt. Foto: unzensuriert.at
Mit hohen Schutzzöllen auf US-Motorräder wollte die EU Donald Trump treffen - doch Harley Davidson parierte gekonnt.
Foto: unzensuriert.at
28. Juni 2018 - 16:04

Gebühren, Abgaben, Steuern, Zölle – wie immer das genannt wird –  sind Einnahmen des Staates. Selten wird dafür eine Gegenleistung erbracht. Deshalb werden Vermeidungsversuche streng bestraft. Die Aufhebung von Binnenzöllen ermöglichte damals, nach der deutschen Reichsgründung 1870, den rasanten Aufschwung, was nicht zuletzt England sehr verärgerte. Die Habsburger Monarchie, stets am Rande des Bankrotts, hatte dem nichts entgegen zu setzen.

Zwei Weltkriege später war das erste, was die provisorische österreichische Regierung von sowjetischen Gnaden verfügte,  die Vergnügungssteuer (Originaltext): „Kundmachung des Staatsamtes für Finanzen vom 30. August 1945 über die Wiederverlautbarung der Vergnügungssteuerordnung, herausgegeben von der Staatskanzlei am 16. November 1945“.

Österreich zwischen Russland-Sanktionen und US-Schutzzöllen

73 Jahre später befindet sich die Republik Österreich (II) in der zweifelhaften Lage, einerseits Sanktionen gegen Russland mittragen zu müssen, andererseits von US-Schutzzöllen betroffen zu sein. Theoretisch sieht Neutralität anders aus, aber seit der Zustimmung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen im Juni 1994 (Beitrittsverhandlungen, nicht Beitritt!) zur Europäischen Wertegemeinschaft sind die Grenzen der Neutralität unsicher und die Staatsgrenzen offen.

Industrie weicht in Billiglohn-Länder aus

Also erscheint es angebracht, zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden. Beispiel: Zölle auf Motorräder. Zur Erinnerung: Der gegenwärtige 45. Präsident der USA hat versprochen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, also die Re-Industrialisierung zu fördern. Wie auch in Europa hat man (wer ist „man“ genau?) die Löhne in die Höhe getrieben und daher die Industrie nach Asien vertrieben. Wer also viele, viele neue Arbeitsplätze schaffen will, muß die eigene Industrie wiederbeleben und für deren Produkte den eigenen Markt öffnen, also die ausländischen Billigprodukte fernhalten. Ökonomie, Grundkenntnisse. Außerdem geht es aktuell natürlich auch um Machtspiele, die der Waffenindustrie Impulse verleihen – sofern eine solche Industrie existiert.

Zweirädrige Symbole für den "American way of life"

Zurück zum Beispiel Motorräder. Harley-Davidson produziert seit 1903 in Milwaukee, Bundestaat Wisconsin, schwere Maschinen mit einem inzwischen antiquierten Zweizylindermotor, der, wie Spötter behaupten, "viel Sprit in viel Lärm" verwandelt. Diese Maschinen werden als Inbegriff amerikanischen Lebensstils beworben, und teuer verkauft. Die Firma hat übrigens 1952 einen Antrag auf 40 Prozent Schutzzoll gegen ausländische Fabrikate gestellt. In den späten 1980ern wurde der Import japanischer Motorräder bejammert, und Präsident Reagan ordnete 45 Prozent Importzölle auf Maschinen mit mehr als 700 Kubikzentimetern Hubraum an. Unterlaufen wurde dies durch Kredite der Japaner an die Amerikaner.

Vermeintliche Niederlage für Donald Trump

Zuletzt wurde mehr als die Hälfte der Produktion in Europa abgesetzt. Anfang 2016 waren in Deutschland 194.747 Harley-Davidsons zugelassen, das sind 4,6 Prozent aller zweirädrigen, dreirädrigen und leichten vierrädrigen Kfz. Um Präsident Donald Trump persönlich zu treffen (weil Milwaukee republikanisch wählte), verhängte die EU-Kommission Strafzölle gegen die Harleys. Die Firmenleitung verkündete umgehend, die Produktion nach Thailand zu verlegen, was hierorts als Niederlage für Präsident Trump bejubelt wurde.

Doch kein Grund zum Jubeln

Langsam zum Mitdenken: Der stagnierende US-Markt wird weiterhin aus Milkauwee bedient, dort bleiben die Preise gleich. Der europäische Markt wird zukünftig aus Thailand bedient, weshalb diese Maschinen nicht mehr US-Produkte sind und daher nicht unter die Strafzölle fallen. Im Gegenteil: Durch die extremen Lohn-Unterschiede (ein Thai verdient im Jahr nur etwa zehn Prozent von dem, was ein US-Arbeiter verdient) könnten die Harleys in Europa sogar billiger werden. Unterm Strich macht Harley Davidson die gleichen Umsätze, Thailand freut sich, die EU-Kommission wurde als Dilettantentruppe demaskiert. Und schon hat sich's wieder ausgejubelt.

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