Ein Betreiber eines Bekleidungsgeschäftes in London entscheidet über Bombardierung Syriens

Kaum zu glauben: Meldungen eines Syrers, der in der Nähe Londons ein Bekleidungsgeschäft betreibt, entscheiden über Militärangriffe in Syrien.  Foto: skeeze / pixabay.com
Kaum zu glauben: Meldungen eines Syrers, der in der Nähe Londons ein Bekleidungsgeschäft betreibt, entscheiden über Militärangriffe in Syrien.
Foto: skeeze / pixabay.com
13. April 2018 - 19:07

Bei einem Angriff auf eine syrische Militärbasis sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 14 Menschen getötet worden. Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London seien unter den Toten auch iranische Kämpfer.

Das meldet der ORF am 9. April unter Berufung auf die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London". Wieder einmal wird diese ominöse Organisation als Quelle herangezogen, so wie auch einige Tage später, als von London aus die Nachricht eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in Duma in den Agenturen und Fernsehstationen landete und die Welt an den Rand eines Dritten Weltkrieges bringt.

Ominöse Protokollanten des Todes

Abgesehen davon, dass nirgends so viel gelogen wird wie in der Kriegspropaganda und dass die US-Amerikaner mit Syrien ein blutiges Schlachtfeld für ihre Kriegsspiele und den Interessen der Waffenindustrie gefunden haben, werden die Meldungen dieser Beobachtungsstelle - "Syrian Observatory for Human Rights" (SOHR) - von CNN, Al-Jazeera, BBC, ARD und freilich auch vom ORF gerne übernommen.

Von einer Stelle also, die von der Süddeutschen Zeitung (SZ) als "Ominöse Protokollanten des Todes" bezeichnet wird. Recherchen ergaben, dass die SOHR vom Exil-Syrer Osama Suleiman, der in Coventry lebt, einer Stadt mit 300.000 Einwohnern, etwa 150 Kilometer nördlich von London, geführt wird. Er ist Besitzer eines Bekleidungsgeschäftes und gibt als solcher Meldungen weiter, die über Krieg und Frieden in der Welt entscheiden.

Säuglinge in Brutkästen gezielt getötet: Falschmeldung

In einem Wikipedia-Eintrag wird heftige Kritik an SOHR geübt:

Unter Kritik geriet die Beobachtungsstelle im Herbst 2011, als zahlreiche Medien, darunter CNN, eine auf einem Bericht vom SOHR beruhende Falschmeldung verbreiteten, nach der in der Stadt Hama neugeborene Säuglinge in Brutkästen gezielt getötet worden seien, indem das syrische Regime die Stromversorgung des Krankenhauses unterbrochen habe. Während CNN als Quelle für seine Falschmeldung die SOHR angab, zitierte die SOHR auf ihrer Internetseite daraufhin CNN als ihre Quelle. Die Beobachtungsstelle stellte in weiterer Folge klar, dass sie nicht behauptet habe, dass die Unterbrechung der Stromversorgung absichtlich herbeigeführt worden sei. Fakt sei aber, dass die Kinder in den Brutkästen starben.

Nachrichten sind mit Vorsicht zu genießen

Das alles ist den großen Kommunikations-Unternehmen bekannt. Doch sind Informationen aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet schwierig zu bekommen. Im besten Fall sind die Berichte aus Syrien unvollständig oder ungenau. Im schlechtesten Falle sind sie politisch motiviert, übertrieben oder gleich ganz gefälscht.

Nirgendwo wird so oft die Unwahrheit gesagt wie in Kriegsgebieten, manchmal aus Unwissenheit, manchmal planvoll und wider besseres Wissen. Darum sind selbstverständlich auch die Zahlen und Fakten, die von der "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" verbreitet werden, mit Vorsicht zu genießen - wie alle Zahlen und vermeintliche Fakten aus Syrien. Einfach deshalb, weil in einem Kriegsgebiet kaum etwas mit Sicherheit zu verifizieren ist.

Beste Kontakte zu radikal-islamischen Gruppen

Im Standard sagte SOHR-Gründer Suleiman im Jahr 2012, dass seine Quellen aus Syrien zuverlässig seien. Mehr als 200 Personen aus dem ganzen Land seien es, die ihn mit Informationen versorgen würden. Darunter Ärzte, Journalisten, Anwälte und Studenten. Die Informanten würden einander aus Sicherheitsgründen nicht kennen.

Es gibt aber auch eine andere Sichtweise auf den "Ominösen Protokollanten des Todes", wie Osama Suleiman von der SZ bezeichnet wird. Seine schärfsten Kritiker sagen, er sei ein syrischer Oppositioneller mit besten Kontakten zu radikal-islamistischen Gruppen, ein "syrischer Menschenrechtler", der von der EU bezahlt wird.

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