Trier: Unkritische Kult-Feierlichkeiten anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx

20 Millionen Todesopfer kostete der Marxismus im 20. Jahrhundert. Die Stadt Trier feiert unkritisch den 200. Geburtstag von Karl Marx. Foto: John Jabez Edwin Mayall / wikimedia (public domain)
20 Millionen Todesopfer kostete der Marxismus im 20. Jahrhundert. Die Stadt Trier feiert unkritisch den 200. Geburtstag von Karl Marx.
Foto: John Jabez Edwin Mayall / wikimedia (public domain)
12. April 2018 - 18:55

Am 5. Mai wird die deutsche Linke mit bereitwilliger Unterstützung der CDU-Stadtratsfraktion und sechs offiziellen Delegationen aus China in Trier den 200. Geburtstag von Karl Marx feiern, der dort geboren wurde. Am Vorabend des Geburtstags wird EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Beisein der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Maria Luise Anna Dreyer die Festrede zur Eröffnung der Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“ halten. Am Geburtstag selbst beginnen um 9.30 Uhr die Feierlichkeiten im Karl-Marx-Haus, um 11.30 Uhr wird eine 4,40 Meter große Karl-Marx-Statue, montiert auf einem 1,10 Meter hohen Sockel, auf dem Simeonstiftplatz nahe der Porta Nigra, dem Wahrzeichen der Stadt, enthüllt – ein Geschenk der Volksrepublik China! Im „Karl-Marx-Viertel“ wird bis 18 Uhr weitergefeiert.

Kritik an der chinesischen Marx-Statue

Die Aufstellung der Marx-Statue hatte zu Kritik seitens der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“ geführt. Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ meinte, die Bischofsstadt Trier würde bei einer Annahme des Geschenks den in China verfolgten Christen in den Rücken fallen.

Nur zwei von 286 Programmpunkten für die Opfer des Marxismus

Das offizielle Jubiläumsprogramm im „Karl-Marx-Jahr 2018“ in Trier enthält 286 Titel. Gerade mal zwei davon streifen die Opfer des Kommunismus im 20. Jahrhundert. Es dominiert eine völlig unkritische Würdigung des Vaters des Kommunismus.

4. und 5. Mai - Aktionswochenende gegen den Marx-Kult

Die AfD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz hatte bereits im Oktober 2016 vor einem Marx-Kult gewarnt und die Ausklammerung der Wirkungsgeschichte der marxistischen Ideologie im 20. Jahrhundert angeprangert. Nun will sie den Opfern des Kommunismus eine Stimme verleihen. Deshalb findet am 4. und 5. Mai ein Aktionswochenende unter dem Motto „Kommunismus-Opfer nicht vergessen – Marx vom Sockel holen“ gemeinsam mit der Jungen Alternative (JA), der AfD-Stadtratsfraktion Trier und dem Kreisverband Trier statt.

Für Samstag, den 5. Mai, wurde ein Schweigemarsch durch die Trierer Innenstadt angemeldet. Treffpunkt ist voraussichtlich um 10 Uhr am Viehmarktplatz. Die genaue Uhrzeit und der exakte Ort werden rechtzeitig auf den Internetseiten der Fraktion und des Landesverbandes bekannt gegeben. Am Freitag, dem 4. Mai, führt die AfD-Landtagsfraktion im Best Western Hotel Trier City, Kaiserstraße 29, ab 19 Uhr eine Großveranstaltung mit dem früheren tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus (2003-2013), dem AfD-Fraktionsvorsitzenden und Landesvorsitzenden Uwe Junge, MdB Petr Bystron sowie MdL und Stadtrat Michael Frisch durch. Neben den vier Reden wird der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Joachim Paul eine Podiumsdiskussion mit den Referenten moderieren.

Kontrapunkt zur verharmlosenden und naiven Darstellung von Karl Marx

Mit diesen beiden Veranstaltungen wird ein Kontrapunkt gesetzt zur verharmlosenden und naiven Darstellung von Karl Marx im Zuge des Jubiläums. Ein Kontrapunkt zum Vortrag der Wirtschaftskorrespondentin der taz, Ulrike Herrmann, der den bezeichnenden Titel „Karl Marx – ein genialer Ökonom“ trägt. Oder zu einer Kooperationsveranstaltung des Theaters Trier, der Universität Trier und weiteren Partnern, auf welcher gar diskutiert werden soll, ob der „Gedanke des Kommunismus“ ein Mittel gegen sogenannten Rechtspopulismus sein könnte. Im Stadtmuseum Simeonstift Trier wird ein Workshop für Kinder von sieben bis zwölf Jahren angeboten – Titel: Marx und Mäuse. Und in der Rathauszeitung vom 9. Januar wurde Marx in unerträglicher Weise gefeiert mit Sätzen wie „Karl für Kinder leicht erklärt: Marx wollte, dass es für die Menschen gerechter zugeht“ oder „Das Geld sollte nicht nur den Reichen gehören, sondern gerecht aufgeteilt werden“ oder „Karl Marx hat sich gefragt, warum einige Menschen viel Geld besitzen und warum manche, trotz harter Arbeit, kaum etwas zu essen haben“.

Keine Würdigung der Opfer des Kommunismus

Michael Frisch, familienpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion und zugleich Stadtrat in Trier, beklagte die Verklärung von Karl Marx: „Mit Blick auf die Opfer des Kommunismus, die es auch in Rheinland-Pfalz in nennenswerter Zahl gibt, ist das ein Skandal.“

Vize-Fraktionschef Joachim Paul hielt bereits im Oktober 2016 im Plenum dagegen: „Marx steht für all das, was die Landesregierung mit viel Geld durch die sogenannte Extremismusprävention bekämpfen will: politische Gewalt, Terrorismus, antidemokratisches Denken und der Hass auf politisch Andersdenkende.“

Bemerkenswert die Zurückhaltung der CDU. „Dass sich im Landtag außer der AfD niemand an der verharmlosenden und naiven Darstellung von Karl Marx stört, zeigt wie wenig geistig-politische Substanz, insbesondere in der CDU, inzwischen nur noch vorhanden ist“, kommentierte Martin Louis Schmidt, kultur- und geschichtspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, den Verlauf einer Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur am 18. Januar.

Geistige Kontinuitätslinien von Demokratiefeindlichkeit und Gewalt

Kritische wissenschaftliche Analysen des Marxismus zeigen unmissverständlich die geistigen Kontinuitätslinien der Demokratiefeindlichkeit und Gewalt von Marx über Lenin zu den anderen kommunistischen Diktaturen im 20. Jahrhundert. Exemplarisch kann auf das Lebenswerk des Ex-Marxisten Leszek Kolakowski oder die Arbeiten von Konrad Löw verwiesen werden. Letzter stellt fest: „Selbstverständlich war nicht alles falsch, was Marx und Engels niedergeschrieben haben. Aber das Richtige war nicht neu und das Neue war nicht richtig.“

Ein Vierteljahrhundert nach dem Untergang der Sowjetunion wäre es grundsätzlich angebracht, die Verbrechen in diesem kommunistischen Riesenreich intensiv aufzuarbeiten. Daher wäre es naheliegend gewesen, die Veranstaltungen zum 200. Geburtstag von Karl Marx in Trier unter das Leitthema „Marxistische Lehren und die Auswirkungen auf den real existierenden Kommunismus im 20. Jahrhundert“ zu stellen. Diesen Themenbereich weitgehend auszuklammern, zeigt das Desinteresse an einer gründlichen Aufarbeitung des marxistischen Erbes.

Mainstream für Marx-Verklärung – nur AfD für ganzheitliche Betrachtung

„Die AfD ist die einzige bürgerliche Kraft, die sich der einseitigen Karl-Marx-Darstellung glaubhaft und entschlossen widersetzt. Die AfD steht für Freiheit und verurteilt jede totalitäre Gesinnung. Deshalb freuen wir uns auf zahlreiches Erscheinen all derer, die ein ungutes Gefühl beschleicht, wenn der Vater des Kommunismus unreflektiert auf einen Sockel gehoben wird und den Opfern des Kommunismus demonstrativ durch Ausklammerung der Wirkungsgeschichte eine angemessene Würdigung verwehrt bleibt“, so Schmidt. Dazu passt, dass es in Deutschland noch immer kein zentrales Mahnmal für die Opfer des Kommunismus gibt. Und das, obwohl seit Juni 2013 eine Empfehlung des Ausschusses für Kultur und Medien vorliegt, in welcher der Bundestag die Bundesregierung auffordert, „die Einrichtung eines zentralen Mahnmals für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft zu prüfen“. Dafür gibt es ab Mai ein großes Denkmal für den Vater des Kommunismus!

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