Deutsche Minderheit in Ungarn erstmals mit einem Abgeordneten im Parlament vertreten | Unzensuriert.de

Deutsche Minderheit in Ungarn erstmals mit einem Abgeordneten im Parlament vertreten

Im Parlament in Budapest sind die Ungarndeutschen nun durch einen Abgeordneten vertreten. Foto: Ivanhoe / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Im Parlament in Budapest sind die Ungarndeutschen nun durch einen Abgeordneten vertreten.
Foto: Ivanhoe / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
13. April 2018 - 11:49

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Bis zum Krieg lebten Millionen Deutsche als Minderheit verstreut in ganz Europa. Heutzutage sind die meisten längst vertrieben worden, gestorben oder assimiliert. Doch Reste der deutschen Volksgruppen gibt es in vielen Staaten Europas.

In Ungarn verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre die Zahl derer, welche sich zum Deutschtum bekennen. Und erstmals haben die Ungarndeutschen den Sprung ins Parlament geschafft.

​Lange Verbundenheit zu Deutschland

Ungarn war früher eines der beliebtesten Ziele deutscher Auswanderer. Im 17. und 18. Jahrhundert siedelten die Habsburger, welche sowohl die Kaiserkrone des deutschen Reiches, als auch die Königskrone Ungarns innehatten, gezielt deutsche Bauern aus dem ganzen Land in Ungarn an.

Ziel dessen war es, Ungarn einen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen und die von den Türken verwüsteten Regionen wieder zu besiedeln. So lebten bis zum Zweiten Weltkrieg unzählige deutsche Volksgruppen im Ungarischen Reich, von den Siebenbürger Sachsen im Osten bis zu den Burgenländern im Westen. Bis kurz vor dem ersten Weltkrieg und der Zerschlagung Großungarns waren es etwa zwei Millionen Deutsche, was einem beachtlichen Anteil von zehn Prozent der Gesamtbevölkerung entsprach.

​Ungarn waren nicht antideutsch

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden so gut wie alle deutschen Siedler in Osteuropa Opfer von Tod und Vertreibung. Während Volksgruppen wie die Wolgadeutschen in Russland jedoch völlig „ausgelöscht“ wurden, blieben im neuen, kleinen „Restungarn“ viele Deutsche zurück. Verglichen mit der kompromisslos antideutschen Politik der Russen, Tschechen oder Rumänen wurden die Deutschen in Ungarn zwar von kommunistischer, staatlicher Seite aus kritisch beäugt, in der allgemeinen Bevölkerung jedoch hoch angesehen. Seit dem Zerfall des Ostblocks ist auch die Stellung der Regierung zur deutschen Minderheit eine andere, es wurden weitreichende Minderheitenrechte geschaffen.

Deutsche immer besser organisiert

So organisieren sich die Deutschen immer aktiver. Mit der „Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen“ verfügen sie trotz eines zersplitterten Siedlungsgebietes über umfassende Minderheitenrechte. Mit diesen können sie sowohl politisch ihr kulturelles Erbe als auch ihre Sprache und Traditionen sichern. Unterstützt werden sie dabei zum Beispiel von Organisationen wie der "Österreichischen Landsmannschaft" (ÖLM).

In den meisten anderen Ländern sterben diese dennoch mit der Zeit aus. Zu wenig Bezug hat die Jugend zu den Wurzeln, die durch immer weniger Menschen repräsentiert werden. Nicht jedoch in Ungarn.

​Die ungarndeutsche Jugend bekennt sich

So schafft es die LdU, dass „Deutsch“ unter den Jugendlichen beliebt ist wie nie. Deutsche Tänze zu tanzen, deutsche Lieder zu singen und die deutsche Sprache zu sprechen, bewegt ganze Gruppen von jungen Menschen. Die Kinder und junge Erwachsene haben Spaß daran, ihre Wurzeln zu erforschen und ihre Traditionen zu pflegen. Dies alles verläuft dabei absolut freundschaftlich und in keiner Weise feindselig mit dem ungarischen Volk. Nun gelang sogar Historisches.

​Keine fünf Prozent Hürde

Die jeweiligen nicht-ungarischen Volksgruppen besitzen die Möglichkeit, sich zu diesen zu bekennen und registrieren zu lassen. So können sie eigene Repräsentanten für das Parlament wählen, die von einer Fünf-Prozent-Hürde befreit sind. Erfolg hatten die Ungarndeutschen bisher nie, zu mühsam ist der Prozess der Registrierung. 2014 schafften es die Ungarndeutschen, etwa 15.000 Stimmen unter den Deutschen zu sammeln. Dieses Jahr schafften sie jedoch einen weitaus beachtlicheren Erfolg.

​Verdoppelung der Stimmen

33.000 Stimmen sammelten die Ungarndeutschen und schafften es damit, mit Imre Ritter einen eigenen Abgeordneten zu entsenden. Damit haben die Ungarndeutschen erstmals seit dem Krieg einen parlamentarischen Vertreter. Beachtlich ist dabei, dass es die LdU geschafft hat, diejenigen, die sich zum Deutschtum bekennen, innerhalb von vier Jahren zu verdoppeln. Erwähnenswert ist es hierbei auch, dass es nicht etwa zum großen Teil die Alten waren, die sich registrierten, sondern junge Menschen. Am Ziel sind sie derweil noch lange nicht. Es gibt heute mehr als 60.000 Deutsche in Ungarn.

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