Schulen in Österreich und Deutschland mit bis zu zwei Drittel fremden Kindern: Wer lehrt da wem welche Sprache?

Bild: Werschinski / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Schwarz-blaue Regierung: Deutschklassen in Vorbereitung

Im neuen Schuljahr will die Regierung Förderklassen für Schüler mit schlechtem Deutsch einrichten.

Darin ruht die Erkenntnis, dass Deutschlernen in Regelklassen nur dann funktioniert, wenn zwei oder drei, maximal sechs fremdsprachige Kinder in einer Klasse sitzen. Doch diese Art von Integration ist in den Landeshauptstädten, allen voran in Wien, nicht mehr möglich: Dort haben 60 bis 70 Prozent der Schüler eine andere Muttersprache als Deutsch.

Fairness für autochthone Kinder

Die bisherigen rot-schwarzen Regierungen setzten die wenigen muttersprachlich deutschen Kinder dazu ein, der Mehrheit in ihren Klassen die österreichische Staatssprache zu lehren. Ein hoffnungsloses Unterfangen, zudem rücksichtslos gegenüber den autochthonen Kindern, die, anstatt selbst etwas zu lernen, als kostenlose Sprachlehrer für fremdsprachige Kinder fungieren mussten. Sofern sie das überhaupt konnten.

Damit Kinder mit Deutsch als Muttersprache endlich wieder eine Chance auf besseren Unterricht in den öffentlichen Schulen bekommen, werden Kinder mit Sprachdefiziten ab September in Förderklassen eingeschult. Volksschüler mit schlechtem Deutsch erhalten 15, AHS- und NMS-Schüler 20 Wochenstunden in Förderklassen. Das bedeutet, dass die fremden Kinder in Gegenständen, wo Sprachkenntnisse weniger wichtig sind, wie etwa in Turnen, weiterhin gemeinsam mit den autochthonen Kindern unterrichtet werden.

Feststellungsprüfung entscheidet über Besuch der Regelklasse

Eine Förderklasse kommt zustande, wenn zumindest sechs Kinder an einem Schulstandort zusammenkommen. Bei geringerer Anzahl könnten die Schüler im System mitgetragen werden.

Im Bildungsministerium erwartet man etwa 60 Förderklassen allein in Wien. Bundesweit wird mit 30.000 „außerordentlichen Schülern“ pro Jahr gerechnet. Der neue Bedarf an Lehrern wird mit 300 Pädagogen angegeben. Die zusätzlichen Kosten seien gut investiert, meint ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann: „Die Kosten, die jetzt getätigt werden, ersparen uns womöglich Sozialtransfers.“

Ein externer, standardisierter Test in den Förderklassen entscheidet dann, ob ein Kind ausreichend die Unterrichtssprache beherrscht und damit in die Regelklasse wechseln kann. Leider verzichtet Faßmann auf die Expertise durch die Lehrer, die als direkte Bezugspersonen die Ergebnisse des standardisierten Tests absichern könnten.

Gesetzesvorlage noch vor dem neuen Schuljahr

Der legistische Entwurf für die Deutschförderklassen wird rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr erarbeitet. Die Deutschförderklassen werden maximal zwei Schuljahre umfassen können. Sind dann die nötigen Sprachkenntnisse immer noch nicht erreicht, folgt zwar der Regelunterricht, aber weitere Deutschkurse im Rahmen von sechs Wochenstunden.

AfD-Rheinland-Pfalz empfiehlt neues österreichisches Modell

In einer Pressemitteilung erklärte Joachim Paul, bildungspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender von der in den Umfragen derzeit zweitstärksten Partei „Alternative für Deutschland“ im Landtag Rheinland-Pfalz, dass eigene Deutschklassen, wie sie Österreich nun umsetze, vor Einbindung in den Regelunterricht auch in der Bundesrepublik Deutschland notwendig seien.

Auch in Rheinland-Pfalz gibt es Schulen, in denen der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei bis zu 93,4 Prozent liegt. Diese Zahlen werden noch übertroffen von Kindergärten und Kindertagesstätten.

In ihrem Antrag „Von Österreich lernen – Deutsch vor Regelunterricht“ fordert die AfD eigene Deutschklassen für Schüler, die die Unterrichtssprache nicht ausreichend beherrschen, einzurichten. Außerdem sollen strenge Kriterien im Hinblick auf den Übertritt ins Regelschulwesen etabliert werden.

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