Seehofer trifft sich mit Orbán - und freut sich gleichzeitig auf "spannende Tage" mit der SPD

Horst Seehofer gab sich schon in der Vergangenheit gerne wechselhaft. Foto: Freud / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Horst Seehofer gab sich schon in der Vergangenheit gerne wechselhaft.
Foto: Freud / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
9. Januar 2018 - 16:11

Man weiß nicht, ob man das Verhalten von Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzendem Horst Seehofer eher einem Hang zur politischen Gratwanderung oder einer Erlegung von Stimmungsschwankungen zuschreiben soll. Erneut traf er sich mit Merkels größtem Gegenspieler innerhalb der Europäischen Union, Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Im Gegensatz hierzu haben nur einen Tag später die Sondierungsgespräche zu möglichen Koalitionsverhandlungen mit der CDU und SPD begonnen, zu welchen sich der gleiche Seehofer wiederum ganz anders gibt.

Scharfe Worte aus Ungarn

Dass Horst Seehofer und Viktor Orbán neben der politischen Zusammenarbeit auch eine enge Freundschaft verbindet, ist bekannt. Oft und gerne haben sich die beiden in den letzten Jahren gemeinsam auf gegenseitigen Staatsbesuchen gut gelaunt ablichten lassen. Auch diesmal ist der Ton des ungarischen Präsidenten freundschaftlich, jedoch schärfer denn je.

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz betont er zwar erneut das enge Band, welches die bayerische und die ungarische Geschichte verbindet, so zieht er eine Linie „vom ersten ungarischen König Stephan I., welcher Gisela von Bayern zur Frau genommen hat, bis zur aktuellen großen Zusammenarbeit mit Audi“. Schnell wurde er jedoch deutlicher mit seinen Worten. Er weist die Reporter darauf hin, dass die Migration zum Demokratieproblem geworden sei. Er rief „diejenigen, welche keinen Grund haben, hier zu leben“ zur Rückkehr in die Heimatländer auf.

Des Weiteren verkündete  Orbán in der Pressekonferenz, dass 2018 „das Jahr der Wiederherstellung des Volkswillens in Europa“ sei. Er betonte, dass es nicht seine Sache sei, sich in die deutsche Innenpolitik einzumischen. Als eine respektvolle Ermahnung in Richtung Sondierungs-Gespräche kann man seinen Auftritt jedoch alle Male werten.

Seehofer gibt sich optimistisch vor Sondierungs-Gesprächen

Während er die scharfen Worte aus Ungarn noch vor wenigen Tagen mit Freude bekräftigt hat, gibt sich Seehofer nun, zu Beginn der Sondierungs-Gespräche, optimistisch. Wenn man seinen Aussagen zuhört, so glaubt man eher, es handle sich um Vorfreude auf einen Abenteuerurlaub, denn um eine wirklich ernsthafte, staatstragende Situation.

Wie die Welt berichtet, betonte Seehofer, dass er „in bester Stimmung“ sei. Er freue sich auf „spannende Tage“. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte: „Ich glaube, man kann es schaffen“. Bei all den versöhnlichen Tönen wird es einmal mehr deutlich, dass die CSU bei einem Treffen mit Orbán nicht etwa ein mögliche Gegenpolitik zu Merkel im Auge hat – sondern die bayerischen Landtagswahlen 2018.

 

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