Behörde stoppt Aktenrekonstruktion zur Sichtbarmachung der DDR-Verbrechen | Unzensuriert.de

Behörde stoppt Aktenrekonstruktion zur Sichtbarmachung der DDR-Verbrechen

Der heutige Bundespräsident Joachim Gauck war Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Lediglich 23 der 15.500 Säcke mit brisantem Beweismaterial wurden ausgewertet. Weitere Auswertungen wird es nicht geben. Foto: Sebastian Hillig / wikimedia (CC-BY-SA 2.0)
Der heutige Bundespräsident Joachim Gauck war Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Lediglich 23 der 15.500 Säcke mit brisantem Beweismaterial wurden ausgewertet. Weitere Auswertungen wird es nicht geben.
Foto: Sebastian Hillig / wikimedia (CC-BY-SA 2.0)
5. Jänner 2018 - 10:45

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Rückblende: 1989 scheitert der „real existierende Sozialismus“. Die kommunistischen Machthaber können die Völker nicht länger planwirtschaftlich organisieren, da die Mangelwirtschaft und der Freiheitsdrang das System hinwegfegen.

Darauf nicht vorbereitet, versuchen die Diktaturen, Beweismaterial zu vernichten. So auch das SED-Regime in der DDR. Ende 1989 arbeitet die Stasi fieberhaft daran, Dokumente zu beseitigen. Doch die Feuchtschredder reichen nicht aus, um die Masse an Akten zu vernichten. Folglich beginnen die Stasi-Mitarbeiter, tausende Dokumente – als Vorbereitung für die endgültige Beseitigung – händisch zu zerreißen.

Zerreißaktion sollte Stasi-Spitzel wie Angela Merkel schützen

Vor allem Akten, die die innere Repression belegen, die die Kollaboration mit der SED zeigen oder Informanten der Stasi wie etwa die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel enttarnen könnten, sollen vernichtet werden. Als die DDR-Bürger von der heimlichen Aktenvernichtung erfahren, stürmen und besetzen sie die Stasi-Dienststellen und stoppen so die Beweislastvernichtung. Tausende Säcke mit vorvernichteten, also zerrissenen, aber noch nicht endgültig beseitigten Akten konnten dadurch gerettet werden.

Eigenes Rechner-System zur Schnipsel-Zusammensetzung

In etwa 15.500 Säcken wurden die zerschnipselten Akten gesichert. Das Fraunhofer IPK (Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, Berlin) hatte vor zehn Jahren die Idee, ein System zu entwickeln, das die zerrissenen Stasi-Akten automatisiert virtuell rekonstruiert. Erschlossen wurde mit der entwickelten Software der Inhalt von 23 Säcken, was 91.000 Seiten Akten entspricht. Etwa 600 Millionen Schnipsel wurden manuell mit mehr oder weniger Erfolg wiederhergestellt. Gesamt lediglich 3,3 Prozent.

Doch nun wurde diese rechnergestützte Rekonstruktions-Maßnahme, in die rund sieben Millionen Euro investiert worden waren, eingestellt. Begründung: Es gäbe keine entsprechenden Scanner.

Kolportierter Grund nicht der wahre Grund?

Ob der Grund für das Aus der Rekonstruktionsarbeit nicht eher ein politischer ist, der dem einstigen Ziel der Zerreißaktion nahekommt, nämlich die brutale Unterdrückung der DDR-Bürger unbeweisbar zu machen, Verantwortliche nicht zur Rechenschaft zu ziehen und Systembüttel nicht auffliegen zu lassen? Denn auch das manuelle Zusammenfügen der Schnipsel im fränkischen Zirndorf wurde Ende 2015 beendet.

Diskussion um Schließung der Stasi-Unterlagenbehörde

Mitte 2016 war diskutiert worden, ob die Stasi-Unterlagenbehörde überhaupt noch weiter existieren solle. Die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, warnte vor der Schließung der Behörde, die sie für falsch und riskant hielt. Die in Ostberlin geborene Birthler war von 2000 bis 2011 Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Ihr Vorgänger war der heutige Bundespräsident Joachim Gauck, ihr Nachfolger ist Roland Jahn.

Das Ende der Stasiforschung wird also bereits sehr lange betrieben.

 

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