Buchvorstellung: Verena Rosenkranz, "Aber - Eine Generation rechnet mit ihren Eltern ab"

Mit ihrem neuen Buch "Aber - eine Generation rechnet mit ihren Eltern ab" gibt die Jungautorin Verena Rosenkranz der 90er-Jahre-Generation eine neue Stimme. Foto: aber
Mit ihrem neuen Buch "Aber - eine Generation rechnet mit ihren Eltern ab" gibt die Jungautorin Verena Rosenkranz der 90er-Jahre-Generation eine neue Stimme.
Foto: aber
17. November 2017 - 10:43

Medien schleuderten ihnen Berichte vor die Füße, in denen sie als Komasäufer, Realitätsverweigerer und verlorene Jugend abgestempelt wurden. Heute sind die Kinder der neunziger Jahre erwachsen und wollen das Ruder in die Hand nehmen. Doch das will man unter keinen Umständen der betroffenen Generation überlassen. 

Die mittlerweile erwachsen gewordene Jugend der Jahrtausendwende wartet auf die Aufgabe, die man ihr nicht zuteil werden lassen will: etwas am etablierten Konformismus zu ändern! Doch in Zeiten wie diesen dürfen keine Helden geboren werden, auf zu wackeligen Beinen steht das Konstrukt unserer Eltern. Die "verlorene Generation" hat wesentlich mehr zu sagen, als ihren Eltern und den Aufrechterhaltern des derzeitigen Systems lieb ist.

Die 26-jährige Journalistin und Mutter Verena Rosenkranz rechnet in ihrem Buch "Aber" humorvoll, aber dennoch schonungslos mit den 68ern und damit den Verantwortlichen ab.

Leseprobe

„Ihr habt es gut, bei uns war das alles ganz anders“, waren Sätze, die beim Besuch meiner Großmutter mittelfristig fallen mussten. Nicht gleich bei der Begrüßung, aber der Übergang war schleichend. Spätestens bei der obligatorischen Nachfrage, wie es denn in der Schule laufe, fiel dann der Satz, den meine Generation gleich, nachdem uns die Schultüte in die Hand gedrückt wurde, nicht mehr hören konnte. Wir haben es gut, wir dürfen in die Schule gehen! Wir haben es gut, wir dürfen etwas lernen!

Ja. ABER!

Wir lernen nicht nur für das Leben, sondern von einem entrückten linken Wertesystem, welches uns in ein Schema presst, das es vorgibt zu bekämpfen. Wir dürfen nicht nur in die Schule gehen, wir müssen ab dem frühen Kindesalter eine Liste an Sonderbegabungen entwickeln und sie in sich aneinanderreihenden Zusatzkursen ohne Zeit mit unserer Familie ausprägen.

Wir sind eine andere Generation. Wir haben den Krieg Gott sei Dank nicht miterlebt. Wir haben die Nachwehen in den Jahrzehnten danach nicht spüren müssen. Wir haben aber auch den Aufstieg unseres Wirtschaftssystems nicht gespürt, haben die Hochblüte einer neuen Freizügigkeit nicht erlebt. Und wir können nicht einmal auf das Erbe stolz sein, weil unsere Eltern es mit der 68er-Generation wieder verspielt haben.

Darben im unüberschaubaren Wohlstand

Unsere Großeltern und meine Generation trennt gar nicht so viel. Sie hielten an einem lange erprobten Wertesystem fest, das sich als sinnvoll herausgestellt hatte. Unsere Eltern haben es über Bord geworfen. Und unser ganzes Leben beschäftigt sich nun mit der Wiederentdeckung dieser Anhaltspunkte unseres Daseins, während wir in einem unüberschaubaren Wohlstand darben. Ein Wohlstand – verglichen mit dem bescheidenen unserer Großeltern – der uns dank Smartphone, Egoshooter und Livestream den frierenden Mann an der Ecke nicht mehr sehen lässt. Der uns aber auch völlig überfordert von den technischen und gleichzeitig moralischen Anforderungen unserer Zeit als Generation „schaun wir mal“ und „keine Ahnung, vielleicht“ zurücklässt.

Nach Perfektion strebende Gesellschaft

Und dieser niemals selbst verdiente Wohlstand ist in Wahrheit unser wunder Punkt. Mit unserer Geburt wurden wir in eine nach Perfektion strebende Gesellschaft hineingeboren, die uns Selbstverständlichkeiten mit auf den Weg gibt, die wir weder brauchen, noch jemals nutzen oder gar eigenmächtig erschaffen haben.

Das Gesundheitssystem, die Familienpolitik, Bildungspläne oder Pensionsaussichten nahmen und nehmen wir als selbstverständlich an, hinterfragen es nicht und sehen nun, dass es uns, die 90er Generation, vor unlösbare Probleme stellt. Viele haben bereits resigniert. Sie wandern im Alltag planlos als meinungsfreie Mitglieder der Gesellschaft umher und hinterlassen die gleiche Leere, in die sie zuvor getreten sind. Sie hassen ihr Land genauso wenig wie sie es lieben.

Brodelndes Aggressionspotential

Unter dieser Oberfläche schlummert jedoch ein brodelndes Aggressionspotential, das nur mit den vereinten Kräften der Meinungsdiktatur in Schach gehalten werden kann. Mit welchem Tempo das derzeitige System an die Wand fährt, ist nur noch die Frage der Steuerung. Und die will man unter keinen Umständen der betroffenen Generation überlassen.

Jugendforscher, Zeitungsmacher und Lehrer sollten irren, wenn sie die Mittzwanziger von heute als „verlorene Generation“ bezeichnen. Abgestumpft mag sie sein, der natürliche Erhaltungstrieb klopft aber immer lauter an die gläserne Fassade der Selbstbeherrschung. Und dieser Trieb fordert vehement eine leistbare Ausgangsposition für die gemeinsame Zukunft als Jungfamilie, die Anerkennung der handwerklichen Leistungen und das Besinnen auf tatsächlich wichtige Werte in zwischenmenschlichen Beziehungen ohne Rücksicht auf die tausenden Fallen einer vermeintlichen Diskriminierung.

Bestellmöglichkeiten

"Aber - Eine Generation rechnet mit ihren Eltern ab" von Verena Rosenkranz (90 Seiten mit Illustrationen) ist ab sofort um 14,90 Euro erhältlich und kann direkt beim Verlag bestellt werden: Verlagspostamt Fakten, Postfach 15, A-2100 Korneuburg oder per Email unter [email protected].

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