Habsburgs Kaiserinnen - Fünf Jahrhunderte an der Seite der Macht

Die Kaiserinnen-Krone trugen die meisten nur pro forma - wirklich mitregieren durften nur wenige Kaisergattinnen. Foto: unzensuriert.at
Die Kaiserinnen-Krone trugen die meisten nur pro forma - wirklich mitregieren durften nur wenige Kaisergattinnen.
Foto: unzensuriert.at

Unzählige Bücher wurden über Kaiserin Sisi oder Maria Theresia (die übrigens nie offiziell zur Kaiserin gekrönt worden war) geschrieben, über die zahlreichen anderen Frauen der Habsburger-Kaiser weiß die Allgemeinheit aber ziemlich wenig. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Habsburger-Expertin Sigrid-Maria Größing sich des Themas annahm und ein chronologisches Werk schuf, beginnend mit Eleonore von Portugal (1436-1467), der Gattin Friedrichs III., bis zu Zita von Bourbon-Parma (1892-1989), der Gemahlin des letzten Kaisers Karl I.

Lebenszweck: männliche Nachkommen gebären

Das hohe Alter Kaiserin Zitas ist in der Aufzählung eine exklusive Ausnahme, ein Großteil der Kaisergemahlinnen starb ähnlich früh wie Eleonore, etliche erreichten nicht einmal ihren 30. Geburtstag. Dies verwundert insofern nicht, als die Frauen der Habsburger in erster Linie nur zu zwei Zwecken ausgewählt wurden: Zum einen, um sich mit wichtigen Herrscherhäusern Europas zu verbinden und zum anderen, um dem jeweiligen Kaiser möglichst viele (männliche) Nachkommen zu gebären.

Von Werner Grotte

Über Maria Theresia wissen wir, dass sie zwischen 1737 und 1756 fast permanent schwanger war und insgesamt 16 Kinder zur Welt brachte, von denen immerhin zehn das Erwachsenenalter erreichten (und - bis auf eines - von der Mutter gnadenlos quer durch Europa zwangsverheiratet wurden). Dass Maria Theresia dennoch ein relativ hohes Alter erreichte – sie starb 1780 mit 73 Jahren , verdankte sie ihrer Rossnatur und nicht zuletzt ihrem genialen Leibarzt Gerard van Swieten.

Rauhes Klima in der Hofburg

Andere hatten da weniger Glück. Die oft aus Spanien, Portugal oder Italien stammenden, blutjungen Prinzessinnen (Habsburger durften nur katholische Frauen ehelichen, was die Auswahl in deutschen oder nordischen Landen ab dem 16. Jahrhundert stark einschränkte) mussten schon bei der Anreise nach Wien oft monatelange Strapazen ertragen, um sich dann im ungewohnt rauhen Klima der zugigen und düsteren Hofburg wiederzufinden, in der das für manche ungewohnte, strenge spanische Hofzeremoniell herrschte.

Rasch folgte die erste Schwangerschaft und damit das damals selbst in Adelskreisen noch hohe Risiko, die Geburt nicht zu überleben, was sich bei jeder weiteren Schwangerschaft steigerte. Dazu kamen grassierende Seuchen wie die Blattern (Pocken), die bis ins 19. Jahrhundert hinein noch vielfach tödlich endete.

Kaiserinnen-Krone nur pro forma

Politische Ambitionen hatten nur wenige der Kaiserinnen. Zwar wurden auch sie bei der Krönung des deutschen Kaisers in Frankfurt am Main zur Kaiserin gekrönt, was aber eher eine Formalität war. In der Regel sahen die Kandidatinnen ihren künftigen Gatten erst bei der Hochzeit in Wien, und wenn die Chemie nicht stimmte, erschöpfte sich das Eheleben faktisch nur auf die Zeugung von Nachkommen; manche Kaiser hielten sich ganz offen eine Reihe von Mätressen im In- und Ausland und kümmerten sich kaum darum, was ihre Gemahlinnen den ganzen Tag machten.

Nur wenige wurden geliebt und durften mitregieren

Doch es gab Ausnahmen, etwa Isabella von Portugal (1503-1539), die 1526 in Sevilla mit Karl V., dem Enkel Kaiser Maximilians I., vermählt wurde. Karl erkannte rasch das politische Geschick seiner klugen Gemahlin und überließ ihr weitgehend alleine die Geschicke des damals noch habsburgischen Spanien, während er fast ständig im Reich unterwegs war. In den kurzen Phasen, die sie gemeinsam verbringen konnten, harmonisierten die beiden auch privat, ein Luxus, der im Kaiserhause selten war und durch den frühen Tod Isabellas auch allzu bald ein Ende fand.

Kein männlicher Nachkomme in Sicht: Notfall Maria Theresia

Wirkliche Macht erhielten Frauen - zumindest am Papier - im Habsburger-Reich erst ab 1713 mit der Pragmatischen Sanktion Karls VI., der mangels männlicher Nachkommen oder (lebender) Geschwister mit diesem Erlass seiner Tochter Maria Theresia die Thronfolge ermöglichen wollte – bisher galt im deutschen Kaiserreich die männliche Primogenitur, sprich, nur der älteste Sohn hatte das Recht auf die Thronfolge.

Europas mächtigste Frau wurde nie zur Kaiserin gekrönt

Paradoxerweise nahm Maria Theresia dieses Privileg nie in Anspruch, sie ließ sich bei der Krönung ihres Gemahls Franz Stephan nicht einmal zur Kaisergattin krönen. Denn kaum war Karl VI. unter der Erde, wollten sich so manche Herrscher, allen voran der mächtige Preußenkönig Friedrich Wilhelm II., nicht mehr an ihr Einverständnis zur Pragmatischen Sanktion erinnern und gingen militärisch gegen Maria Theresia vor. Dynastisch fand sich im völlig unbedeutenden bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht ein entfernt verwandter Habsburger, den die Kurfürsten 1742 prompt zum deutschen Kaiser Karl VII. wählten.

Karl VII. - der unbekannte "Kaiser"

Doch es wäre nicht Maria Theresia, wenn sie diese bedrohliche Situation (bayerische Truppen standen schon in Prag, die Preußen überrannten das reiche, zu Österreich gehörende Schlesien) nicht in einen Triumph verwandelt hätte. Der kränkliche Karl VII. starb nach nur drei Jahren, die Preußen begnügten sich mit der Eroberung Schlesiens, anstatt nach Wien weiterzumarschieren – und Maria Theresia ließ ihren geliebten Gatten Franz Stephan in Frankfurt zum Kaiser krönen. Die Form war gewahrt, die Gegner befriedet – und wer im Reich tatsächlich die Hosen anhatte, wussten ohnehin alle, was Maria Theresia schon bald selbst den Respekt ihres Intimfeindes Friedrich II. einbrachte.

Rekordhalter Franz II./I.: Erst die vierte Gattin überlebte ihn

Wie ungesund das Leben als Kaiserin tatsächlich sein konnte, zeigt sich am deutlichsten an der Regentschaft von Maria Theresias Enkel Franz II./I., dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation (1768-1835). Er musste drei Gattinnen begraben, erst die vierte, Karoline Auguste von Bayern, überlebte ihn.

Ein – wie bei Größing üblich – gründlich recherchiertes Buch mit vielen bisher weitgehend unbekannten Details und zeitgenössischen Abbildungen, das nicht nur die jeweiligen Personen, sondern auch den Zeitgeist während 500 Jahren Habsburger-Herrschaft widerspiegelt.

Sigrid-Maria Größing: Habsburgs Kaiserinnen.
Das Buch kann zum Preis von € 21,95 über die Buchhandlung Stöhr bezogen werden.

 

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