Frankfurter Buchmesse: Aufruf an Antifa wurde zu Bumerang

Skandale und Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse. Linke störten sich an rechten Ausstellern. Foto: screenshot youtube
Skandale und Tumulte auf der Frankfurter Buchmesse. Linke störten sich an rechten Ausstellern.
Foto: screenshot youtube
18. Oktober 2017 - 9:00

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Vom 11. bis 15. Oktober fand in Frankfurt die größte Buchmesse der Welt statt. Und heuer machte es den Eindruck, als sei das „Gastland Dunkeldeutschland“ (Jan Böhmermann). Statt um Frankreich und um Literatur und Verlage aus aller Welt, ging es vor Ort und in der Medienberichterstattung vor allem um eines: die Neue Rechte.

Rechte Verlage: einladen oder ausgrenzen?

Die Leitung der Buchmesse hatte im voraus, mit Verweis auf die Meinungsfreiheit, den Auftritt der rechten Verlage Antaios, Tumult und Manuscriptum sowie der konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit gestattet. Sie zahlten, bekamen Standplätze und gegen Aufpreis auch anderthalb Stunden Veranstaltungsbühne. Ganz normale Buchmessenvereinbarungen.

Die Presse berichtet heute, Dienstag, recht objektiv zurückblickend:

Zugleich jedoch war die linke Amadeu-Antonio-Stiftung ausdrücklich als Aufpasser bestellt worden: Sie bekam einen Gratisstand schräg gegenüber. „Schön für uns“ – so Stiftungssprecher Robert Luedecke zur „Presse“. Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nahm an einer Demonstration vor dem Antaios-Stand teil.

Messe lud Antifa ein

Das gesamte Setting der Buchmesse nahm sich am Ende wie eine Ironie der Geschichte aus: man geriert sich weltoffen, tolerant und „für die Freiheit des Wortes“ (so stand auf Plakaten des Börsenvereins groß zu lesen), und feiert dieses Narrativ auch ausgiebig in zahlreichen Bühnenveranstaltungen und Parties.

Wenn „Offenheit“ und „Toleranz“ allerdings bedeuten, dass garantiert die richtige „Haltung gezeigt“ werden muss, braucht man dafür gedungene Handlanger. Schon im Vorfeld der Messe sorgte die Aufforderung der Messeleitung, den rechten Verlagen einen „aktiven Umgang mit ihren Inhalten“ spüren zu lassen, für Händereiben ganz links: Antifa-„Handarbeit“ wurde zugesichert.

Nicht nur haben Linksextreme daraufhin Stände verwüstet, bestohlen, abgeräumt (Buchmesse mit Neuerscheinungen in den Mistkübeln!) und obszön beschmiert, sondern am Samstag, 14. Oktober, kam es sogar zum Antifa-Aufmarsch.

Buchvorstellung von Linksextremen massiv behindert

Der Verlag Antaios hatte eine Bühne gemietet, auf der die Wiener Autoren Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz ihr neues Buch „Mit Linken leben“, und die beiden Aktivisten Martin Sellner („Identitär!) und Mario Müller („Kontrakultur“) ebenfalls ihre neu erschienenen Werke vorstellen sollten. Akif Pirincci war ebenfalls eingeladen, über seine Autobiographie (erscheint demnächst bei Antaios) zu erzählen. Der Verleger hatte außerdem Björn Höcke (AfD) als Publikumsmagneten und routinierten Politiker hinzugebeten.

Diese Veranstaltung wurde kurz nachdem Sommerfeld und Lichtmesz auftraten durch Antifa-Sprechchöre gestört. Stumm hielten die Autoren Sprühkerzen hoch, denn „mit Linken leben“ setzt voraus, daß man nicht von ihren haßerfülltesten Exemplaren überbrüllt wird. Höckes Auftritt sorgte für Zuschauerjubel in der überfüllten Halle, und für kurzfristige Ruhe.

Das ist nicht mehr Autorenlesung, das ist verbale Saalschlacht

Bis Sellner und Müller kamen, denen die freie Rede völlig unmöglich gemacht wurde: „Halt die Fresse!“, „Nationalismus raus aus den Köpfen!“, „Siamo tutti antifascisti!“, „Eure Kinder lernen den Koran!“, „Ihr habt den Krieg verlor'n, ihr habt den Krieg verlor'n!“ und Trillerpfeifenradau.

„Jeder hasst die Antifa!“ kam es zurück, um zu markieren, mit wem die Veranstalter es hier zu tun bekommen haben. Sie riefen die Geister, die sie nicht mehr los wurden. Die Polizei schaute zu, die Gesichter den Störern zugewandt. Auch für die Einsatzkräfte war eindeutig, wer hier provoziert hatte und abgeschirmt werden mußte und nahm einzelne tätlich gewordene Linksextreme in Gewahrsam.

Was tat der Buchmessenchef Jürgen Boos dagegen?

Er betrat die Bühne, kam mit dem Polizeimegaphon nicht zurecht, schaltete aus Versehen das Martinshorn an, sorgte für Gelächter und „Heuchler! Heuchler!“-Rufe und verschwand aus dem Saal. Kurz darauf wurden auch die Antifa-Störer von der Polizei weggeführt. Die Zeit war um, doch was tun, wenn die verbale Saalschlacht gewonnen ist? Weitermachen, was sonst. In der gebotenen Kürze kamen Sellner und Müller noch zu ihrer Buchvorstellung, danach wurde bei Antaios gefeiert. Der "Börsenverein" tanzte ein paar Meter weiter bei einem Sektempfang gegen Rechts in derselben Halle. Keine Zusammenstöße mehr, trotz Polizeischutz. Wozu auch? Doch das Verhalten der Messeleitung wird Konsequenzen haben.

Antaios-Verleger Kubitschek bezeugt:

Wörtlich sagt mir Boos, daß er die Meinungsäußerungsfreiheit der Störer ebenso hoch gewichte wie unsere Lesung im Rahmen unseres bezahlten Forums. Man habe zum engagierten Umgang mit uns aufgerufen, nun sei das eben so, und letztlich seien wir dafür verantwortlich.

Petition online gegen Meinungsdiktatur

Inzwischen wehren sich prominente Autoren in einer Petition gegen die Meinungsdikatur auf der Buchmesse. Initiatorin der „Charta 2017“ ist Susanne Dagen, eine Dresdner Buchhändlerin, die ihrerseits die Gesinnungsdiktatur kennenlernen musste, als ein Spiegel-Redakteur sie 2016 als Pegida-Sympathisantin bezeichnet hatte. Die Charta kann auf „openpetition.org“ unterzeichnet werden.

„Mit Linken leben“ erlebt vier Tage nach Erscheinen und 3.000 verkauften Exemplaren die zweite Auflage und ist hier zu bestellen.

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