In eigener Sache: Steckt Silberstein auch hinter Unzensuriert?

Wenn der Dreck vom "Dirty Campaigning" schon da ist, kann man ihn auch gleich Unzensuriert nachwerfen. Foto: Gregor Fischer / flickr (CC BY-ND 2.0)
Wenn der Dreck vom "Dirty Campaigning" schon da ist, kann man ihn auch gleich Unzensuriert nachwerfen.
Foto: Gregor Fischer / flickr (CC BY-ND 2.0)
10. Oktober 2017 - 18:46

Im Gefolge der Silberstein-Affäre versuchen seit Tagen Politiker, parteinahe Experten und vor allem Journalisten, unzensuriert und andere kritische Medienprojekte auf das Niveau von dessen unterirdischen Wahlkampf-Praktiken zu prügeln. Der Kurier unternimmt heute, am 10. Oktober, fünf Tage vor der Wahl, den prominentesten, jedoch reichlich ungeschickten und riskanten Versuch, die FPÖ durch diese Strategie noch auf den letzten Drücker anzupatzen. Doch dieser Versuch misslingt.

Die profil-Redakteurin und frühere Falter-Autorin Ingrid Brodnig, ihres Zeichens „Digitalisierungsexpertin“ mit Schwerpunkt Hass, Hetze und Lüge im Netz, darf im Kurier gegen unzensuriert ausreiten.

Unzensuriert als Mutter der Fake-Seiten?

Das Team rund um SPÖ-Berater Tal Silberstein dürfte nach einer Internet-Recherche gesehen haben, dass das Verschwörungsthema Soros zieht - denn diese Geschichte war schon zuvor auf anderen rechten Seiten zu lesen.

Sagt Brodnig. Und? Was sagt das über den Inhalt oder die Richtigkeit der Kurz-Soros-Verbindung aus? Es sagt jedenfalls nicht das aus, was Ingrid Brodnig aussagen will: unzensuriert sei nicht nur genauso übel wie die Fake--Seiten, die Silbersteins Team produziert hat, sondern gar die Mutter allen Übels.

Zunächst hatte der von Kanzler Kern zur Rettung der SPÖ beauftragte Christoph Matznetter versucht, unzensuriert zur Verteidigung der eigenen Partei ein wenig hineinzuziehen, nach dem Motto: Schaut her, was sich dort abspielt, ist ja viel ärger als das, was wir angestellt haben. Nachdem Matznetter aber intellektuell nicht völlig neben den Schuhen steht, hat er bemerkt, dass ein Medium mit klagsfähigem Impressum sich schlecht mit einer False-Flag-Facebook-Seite vergleichen lässt. Einfältig genug für diesen Äpfel-Birnen-Vergleich sind nur manche Journalisten, insbesondere Ingrid Brodnig.

Sie hat – ein Blick ins Impressum genügt, um nicht zu mutmaßen, sondern zu lesen – etwas ungeheuer Geheimes herausgefunden:

Der Blog, der auf Facebook vier Mal so viele Fans hat wie die berüchtigte Kurz-Sudelseite aus der Feder des Söldner-Teams Silbersteins, weist eine auffällige Nähe zur FPÖ auf – sowohl inhaltlich, als auch personell (…) Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt, das ist unbehaglich.

Was ist daran unbehaglich, wenn ein Medium eine FPÖ-Nähe haben soll? Ist es ihr nicht unbehaglich, für ein ÖVP-Raiffeisenbank-Blatt (Kurier) Weisheiten von sich zu geben? Ist es nicht unbehaglich, für ein grünes Van-der-Bellen-Blatt (profil) zu schreiben?

Und als Digitalbotschafterin sollte sie in der Lage sein, ein völlige korrektes und transparentes Impressum zu lesen. Oder will sie bewusst Fake News verbreiten? Im Gegensatz zur Falter-Stiftungskonstruktion sollte es bei uns auch für eine offensichtlich mit Rechercheschwierigkeiten kämpfende Journalistin leicht möglich sein, die Herausgeber ausfindig zu machen.

Brodnig als Anti-Rußland-Populistin

Ingrid Brodnig erweiterte ihre „Digitalkompetenz“ stetig, doch die schlichte These bleibt über Jahre dieselbe: gute Mainstreamjournalisten hier, böse FPÖ-Rechtspopulisten dort. Es wirkt, als hätte sie das Buch „Populismus für Anfänger“ ihrer Falter- und Kurier-Expertenkollegen Walter Ötsch und Nina Horaczek gelesen. Darin steht als erste Lektion: Wenn du ein „Populist“ sein willst, teile dir die Welt in „gut“ gegen „böse“, „wir“ gegen „die“ ein.

Sie sollte ganz leise sein, was ihre populistische Anti-Rußland-Hetze anbelangt. Die ist nämlich im Gegensatz zum völlig transparenten Soros-Netzwerk „verschwörungstheoretisch“. Brodnig bewirbt ihr neues Buch „Lügen im Netz“ mit folgenden Worten:

Populisten und der russischen Staat profitieren vom neuen digitalen Ökosystem, unfaire Tools zur Meinungsmache wie Social Bots (Meinungsroboter) kommen hinzu.

Woher hat sie diese These, der „russische Staat profitiere“ von der neuen digitalen Welt? Die „Open Society Foundation“ des George Soros hat es sich seit längerem zur Aufgabe gemacht, dieses Narrativ in die Welt zu setzen.

Die letzte Studie (Juli 2017) des „European Council on Foreign Relations“ (EFCR) zu diesem Thema konnte noch nicht in Brodnigs Buch einfließen. Diese Studie befasst sich eingehend damit, welche politischen Parteien Europas jeweils „pro EU“, und welche „antiwestlich“, also gleichbedeutend mit: pro-russisch, agieren und von Moskau finanziert werden, natürlich fehlt die FPÖ nicht auf dieser Feindesliste.

Eine Hand wäscht die andere: SPÖ-Soros-Verflechtungen und die „Digitalexpertin“

Die Mitgliedschaft von Sebastian Kurz im ECFR, über die Unzensuriert berichtete, war Aufhänger des Kurier-Artikels über Fake News auf Unzensuriert. Es ist eine äußerst simple Recherche erforderlich, um das zu belegen, nämlich ein Klick auf den Wikipedia-Eintrag.

Pikant ist allerdings, dass Brodnig für ihr voriges Buch „Hass im Netz“ den Bruno-Kreisky-Preis des Karl-Renner-Instituts erhalten hat. Das ECFR ist Partner des Kreisky-Forums, das wiederum - beide sind SPÖ-Organisationen - mit dem Renner-Institut zusammenhängt. So erklärt sich, wie diese „kritische“ Digitalexpertin funktioniert und warum sie George Soros verteidigen muss. Kritik von Unzensuriert an dem Multimilliardär bezeichnet sie als „dummdreiste antisemitische Verschwörungstheorie“. Es ist unzensuriert indes vollkommen egal, welches Glaubensbekenntnis Soros hat, entscheidend ist die völlig offene Agenda seiner „Open Society Foundation“, über Finanzierungen aller möglicher Institutionen und Politiker das Europa der Nationalstaaten abzuschaffen und ungehemmte Migration zu forcieren.

Eigene Medienwelt“ der FPÖ = Schmutzkampagne?

Überhaupt gelang es den Freiheitlichen in den vergangenen Jahren, vor allem über Soziale Netzwerke ihre eigene Medienwelt aufzubauen – die völlig vorbei an den Inhalten klassischer Medien riesige Reichweiten erzielt.

Dies ist ein ganz normales Kennzeichen der neuen kritischen Gegenöffentlichkeit, die überall zu erkennen ist, in den USA und in allen westlichen Staaten, die über ein politisch linkes Massenmedien-Establishment verfügen.

Dirty Campaigning umfaßt, um den „Sudel-Tatbestand“ zu erfüllen, ein ganz anderes Bündel: bewusste Falschmeldungen, Untergriffiges gegen Politiker als Personen, und vor allem: unechte Seiten im Namen eines anderen, falsche Facebook-Profile, künstliche User-Bots, falsche Follower, summa summarum: Justiziables – und nicht: harte Mainstreammedien-, Islamisierungs-, Parteien- und Ideologiekritik. Dafür steht Unzensuriert.

Unsere Seite ist auch, mit Verlaub, technisch und personell außerstande, selbst wenn wir es wollten, eine Schmutzkampagne von auch nur dem halben Silberstein-Format durchzuführen.

Wenn der Kurier die Expertin am Ende konstatieren lässt:

Es wäre falsch, nun darauf zu vergessen, dass die FPÖ im Internet schon sehr früh mit dubiosen Mitteln gearbeitet hat. Diese Art der Kampagnenführung ist bisher ein Spezialgebiet der FPÖ gewesen,

dann erfüllt dies seinerseits den „Sudel-Tatbestand“ und könnte spätestens, wenn sich die Politik auf das von allen Parteien gewünschte Anti-Dirty-Campaigning-Gesetz geeinigt haben, ein Nachspiel haben.

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