Schweden: Sexuelle Übergriffe bei Festivals haben sich 2016 mehr als verdoppelt

Schwedisches Musikfestival mit einer Aktivistin der Organisation „Nachtschicht“ (vorne links), die gegründet wurde, um sexuelle Übergriffe zu verhindern. Foto: Nattskiftet / 360 Trygghet
Schwedisches Musikfestival mit einer Aktivistin der Organisation „Nachtschicht“ (vorne links), die gegründet wurde, um sexuelle Übergriffe zu verhindern.
Foto: Nattskiftet / 360 Trygghet
17. Juni 2017 - 14:00

In Schweden wurden im Jahr 2016 auf drei Musikfestivals mindestens 98 Fälle von sexueller Belästigung angezeigt. Das ist ein dramatischer Anstieg im Vergleich zu 2015. Damals wurden 40 Fälle angezeigt – auf allen schwedischen Musikfestivals und sonstigen Großveranstaltungen zusammen.

Die Zahl von 2016 erreicht außerdem beinahe die Zahl aller entsprechenden Anzeigen aus den Jahren 2011 bis 2015 zusammen. In dieser Zeit wurden der Polizei insgesamt 109 sexuelle Belästigungen auf Großveranstaltungen gemeldet.

53 Übergriffe bei einem Festival alleine

Im Jahr 2016 wurden alleine auf dem Festival „We are Sthlm“ 53 sexuelle Belästigungen angezeigt. Dies ist eine deutliche Erhöhung zu 2015, als auf demselben Festival 19 Fälle angezeigt wurden. Der Journalist und Aktivist gegen sexuelle Belästigung, Joakim Lamotte, hat mit einigen Opfern gesprochen. Die Mädchen berichteten, sie seien durch große Gruppen von Männern eingeschlossen und begrapscht worden. Dies sei in aller Öffentlichkeit geschehen, niemand habe eingegriffen.

Herkunft der Täter wird verschwiegen

Lamotte schweigt wie üblich über die Herkunft der Täter. Diese ist jedoch ohnehin naheliegend. Sexuelle Übergriffe aus einer großen Gruppe heraus sind typisch für orientalische Einwanderer. In arabischen Ländern ist dieses Vorgehen schon lange unter der Bezeichnung „Taharrush gamea“ bekannt. In Deutschland kennt man es spätestens seit der Kölner Sylvesternacht 2015.

Davor wurde „Taharrush gamea“ schon auf anderen Großveranstaltungen in Schweden praktiziert. Dies geht aus einem Polizeibericht über sexuelle Belästigung hervor. Darin heißt es über sexuelle Übergriffe durch Gruppen auf Großveranstaltungen von 2011 bis Februar 2016:

In mindestens zehn Fällen wurde ein einzelnes Mädchen von mehreren Männern (5-6 bis hin zu einer großen Anzahl, die Angaben reichen von 20 bis 50), umzingelt, deren Alter manchmal von 14 bis 16 und manchmal von 25 bis 30 geschätzt werden. Dabei hielten manche das Mädchen fest, während andere es an Brust und Körper anfassten. In einem Fall fotografierten manche in der Gruppe den Übergriff. In einigen Fällen öffneten die Täter die Hose des Mädchens und versuchten, sie herunterzuziehen, was in manchen Fällen auch gelang, bevor Hilfe kam. Ebenso kam es vor, dass mehrere Mädchen in einer Gruppe zugleich durch eine große Gruppe belästigt wurden.

Es wurden nur wenige als Täter identifiziert. Diejenigen, die identifiziert wurden, sind afghanische, eritreische oder somalische Staatsbürger. Sämtliche Ermittlungen in Stockholm und Kalmar aus den Jahren 2014 und 2015 wurden eingestellt wegen Schwierigkeiten bei der Identifizierung oder Mangel an Beweisen.

Bei anderem Festival gab es womöglich mehrere hundert Opfer

Bei einem anderen Festival namens „Putte i Parken“ in Karlstad gab es 2016 möglicherweise noch mehr Übergriffe. Angezeigt wurden 35 sexuelle Belästigungen. Dies dürfte jedoch nur die Spitze des Eisberges sein.

Die 17-jährige Alexandra Larsson, die auf dem Festival selbst sexuell belästigt worden war, berichtete der britischen Zeitung Daily Mail:

Dann nahm sich jemand die Freiheit, mir richtig hart an den Hintern zu fassen. Ich drehte mich um und sagte den Burschen hinter mir, dass das nicht in Ordnung sei. [...] Nach einer Weile fühlte ich, wie jemand seine Finger zwischen meine Beine schob und mir an die Genitalien fasste. Zum Glück hatte ich Jeans an. [...] Meine Freundinnen und ich entschieden, das Konzert zu verlassen, weil wir nicht sehen konnten, wer es war. [...]

Die, die hinter mir standen, hatten keinen schwedischen Hintergrund. Sie waren wahrscheinlich Immigranten. Ich hasse es, das zu sagen, aber es ist die Wahrheit.

Ich habe es der Polizei gemeldet, doch das fühlt sich an wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich sah Mädchen, die weinend aus dem Publikum kamen, darunter auch eine Freundin, die zwei Jahre jünger ist. Sie weinte so sehr, dass mir das Herz brach. Ihr war vor der Bühne dasselbe passiert. Eine Gruppe Teenager, die sich in der Menge versteckte, hatte ihr auf den Hintern, die Brüste und die Genitalien gefasst.

Ich glaube, dass zumindest einige hundert auf dem Festival belästigt wurden. Es gibt wahrscheinlich Unmengen von nicht gemeldeten Vorfällen. Mädchen mit geringem Selbstbewusstsein könnten glauben, dass es ihre Schuld sei – dass sie vielleicht etwas falsch gemacht haben und es provoziert haben [...].

Ich konnte weinende Mädchen überall um mich herum sehen, als ich das Festival verließ. Ich weiß nicht, ob sie alle begrapscht wurden, doch die meisten sind wahrscheinlich vor der Bühne Opfer eines Übergriffs geworden.

Auch schwedische Massenmedien geben diesen Bericht wieder, allerdings lassen sie den Abschnitt über die Herkunft der Täter weg, wie hier die Zeitung Göteborgs Posten oder hier die Zeitung Expressen.

Die Polizei äußerte sich hingegen ungewohnt offen zu den Übergriffen auf diesem Festival. In einem öffentlichen Polizeibericht heißt es:

Es herrscht kein Zweifel darüber, wer sich diese Freiheiten nimmt. Banden mit sieben bis acht Burschen aus der Gruppe der alleine kommenden [Flüchtlings-]Kinder.

Ein anderer Polizist sprach die Herkunft der Täter sogar auf Twitter an:

Putt i Parken. Neun festgenommen. Fünf alleine Kommende. Drei Ausländer. Ein Schwede. Männer. 32 Anzeigen, von denen die Mehrheit die Beschreibung ,Junge Einwandererburschen’ trägt.

Fünf Vergewaltigungen bei anderem Festival

Bei einem weiteren Festival des Jahres 2016 in Bråvalla bei Norrköping wurden mindestens zehn sexuelle Belästigungen und fünf Vergewaltigungen angezeigt.

Diese hohe Zahl schockierte auch auftretende Musiker wie die Mitglieder der britischen Band „Mumford & Sons“. Sie verkündeten nach ihrem Konzert, sie seien entsetzt und würden auf diesem Festival nicht mehr auftreten, solange Polizei und Veranstalter nicht versichert hätten, dass sie Maßnahmen getroffen hätten, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Sorge über kommenden Sommer

Mit Beginn des Sommers 2017 wächst die Befürchtung, dass es erneut zu zahlreichen sexuellen Belästigungen kommen könnte.

Eine NGO namens „Nachtschicht“ kämpft schon seit 2014 gegen sexuelle Übergriffe. Sie besteht aus Freiwilligen, die in der Nacht an verschiedenen öffentlichen Plätzen und auf Festivals patrouillieren, um durch ihre Präsenz sexuelle Übergriffe zu verhindern.

Für den Sommer 2017 hat die Organisation eine Kampagne namens „Sicherheitsliste“ gestartet, bei der jeder Vorschläge machen kann, wie man die Festivals im Sommer 2017 sicherer gestalten könnte. Es trafen 350 Vorschläge ein, von denen ein Teil veröffentlicht wurde. Eine häufige Forderung ist die nach mehr Wachleuten und einer Beschränkung des Alkoholverkaufs. Keiner der veröffentlichten Vorschläge nimmt Bezug auf die Herkunft der Täter.

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