Süddeutsche Zeitung macht ein Drama aus der drohenden Abschiebung eines schwulen Pärchens nach Russland

Im Schutze der Regenbogenfahne suchen immer mehr Schwule und Lesben Asyl in Deutschland und Österreich. Foto: Gerd Altmann / pixapay.com/de
Im Schutze der Regenbogenfahne suchen immer mehr Schwule und Lesben Asyl in Deutschland und Österreich.
Foto: Gerd Altmann / pixapay.com/de
16. Juni 2017 - 14:17

Als Medium kann man ja alles zum Drama machen. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) tut es gerade mit zwei homosexuellen Russen. Beide wollen Asyl in Deutschland, weil sie in ihrer Heimat als "Schwuchteln" der Verfolgung ausgesetzt seien, verprügelt würden und ihre Wohnungstür ständig beschmiert werde. Einer der beiden hat trotzdem einen Abschiebebescheid bekommen, der andere wartet noch auf eine Entscheidung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Sie haben das Gefühl, fortgejagt zu werden

Die Süddeutsche Zeitung versucht nun offenbar, die in Bayern lebenden Homosexuellen vor der Abschiebung zu retten, und findet unter dem Titel "Homosexuelle droht Abschiebung nach Russland" dramatische Worte:

In der Realität 2017 kann das Asylgesetz dagegen gnadenlos sein. Kürzlich hat Tupikov einen Abschiebebescheid bekommen. Popialkovskii wartet noch auf eine Entscheidung. Vor drei Jahren haben sie Russland verlassen, weil sie sich unterdrückt und unerwünscht fühlten. Und jetzt haben sie wieder das Gefühl, fortgejagt zu werden.

Schwul und lesbisch zu sein, ist in Russland erlaubt

Die SZ verschweigt nicht, dass es in Russland selbstverständlich erlaubt ist, schwul oder lesbisch zu sein. Sie weist aber darauf hin, dass Präsident Wladimir Putin vor fünf Jahren eine Verordnung gegen "Pädophile und homosexuelle Propaganda" unterschrieben habe. Seither könnten Handlungen, so die SZ weiter, die Homosexualtiät in der Öffentlichkeit sichtbar machen, bestraft werden - "mal abgesehen davon, dass Homosexuelle mit Pädophilen gleichgestellt werden".

Angela Merkel ermahnte Wladimir Putin

Dass nun auch aus Russland immer mehr Menschen nach Deutschland und Österreich wollen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität Schutz suchen, hat sicher wieder einmal mit einer Äußerung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu tun, die erst im Mai Putin ermahnte, die Rechte Homosexueller zu schützen.

Neues Klientel als Asylsuchende

Wer ständig Mahnungen in die Welt hinausposaunt, wie Staaten mit ihren Menschen umzugehen haben und dabei vermittelt, wie tolerant Deutschland doch sei, dass es Homosexuellen, Transgendern und Transsexuellen hierzulande gut gehe, der braucht sich nicht zu wundern, dass man ausgerechnet dieses Klientel als Asylsuchende nach Deutschland anlockt.

Verstellen, um nicht angepöbelt zu werden

Hinter den Kulissen ist Deutschland laut SZ jedoch gar nicht so tolerant. Viele Schwule, so heißt es am Ende des Berichts, würden im Alltag regelmäßig offene Diskriminierung erleben und müssten sich verstellen, um Pöbeleien zu vermeiden. Und besonders böse sei quasi, dass Heterosexuelle mit Unverständnis auf die Debatte reagieren würden.

Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob es nicht egal ist, wo die beiden Russen in Zukunft leben. Bei uns ist es offenbar ja auch nicht so toll für schwule Pärchen, besonders wenn noch mehr Asylwerber aus nicht so schwulenfreundlichen Regionen kommen.

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