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Weil die Geschichte der Kunst in der Renaissance „zu weiß und zu männlich“ sei, streicht die US-Universität Yale einen beliebten Kurs über Kunstgeschichte.

31. Januar 2020 / 22:48 Uhr

Zu weiß und männlich: US-Elite-Uni streicht Vorlesung zu Renaissance-Künstlern

Die Elite-Universität Yale im US-Bundesstaat Connecticut wird seine Studenten nicht mehr über einige der wichtigsten Künstler der Kunstgeschichte unterrichten: Wie die Yale Daily News berichten, sei es für die renommierte Bildungseinrichtung unmöglich, in nur einem Kurs einen „adäquaten“ Überblick über das „gesamte Feld und seine unterschiedlichen kulturellen Hintergründe“ zu geben.

Zu weiß, zu europäisch, zu heterosexuell, zu männlich

Betroffen ist der Kurs von Yale-Professor Vincent Scully: Seine Lehrveranstaltung „Introduction to Art History: Renaissance to the Present“, die über viele Jahre an der Yale University stattfand und weit über die Grenzen des Campus hinaus bekannt ist, sieht ihrem Ende entgegen. Die Einführung in die Kunstgeschichte würde einen „idealisierten westlichen Kanon“ vermitteln, schließlich seien die bedeutendsten Künstler der Geschichte überwiegend „weiß, heterosexuell, europäisch und männlich“ gewesen.

Westliche Kunst soll hinterfragt werden

Weil dies an einer Universität, die viel Wert auf „politische Korrektheit“ legt, natürlich gar nicht geht, wird die beliebte Lehrveranstaltung in diesem Frühling also zum letzten Mal stattfinden. Dabei soll es jedoch schon nicht mehr um die Geschichte der Kunst gehen, sondern um das Hinterfragen der „westlichen Kunst“ als solche. Der Vorsitzende des Departments für Geschichte an der bekannten Hochschule in New Haven, Tim Barringer, meinte dazu, dass ein Kurs über Kunstgeschichte nicht nur „westliche Kunst“ meinen könne – schließlich gebe es noch „so viele andere Regionen, Genres und Traditionen“, die behandelt werden müssten.

Gender und Politik als neue Kunstgeschichte

Den Yale Daily News sagte Barringer, dass er wolle, dass alle Studenten und Einwohner der Stadt die Möglichkeit haben sollten, die grundlegenden Werke der europäischen Tradition bestaunen zu können, europäische Malerei aber nicht stellvertretend für die gesamte Geschichte der Kunst stehen könne. Stattdessen sollen bald andere Kurse angeboten werden, darunter auch Veranstaltungen unter dem Titel „Art and Politics“ oder „Sacred Places“. Der neue Kurs, den die Yale University als Ersatz für die vermeintlich politisch unkorrekte Vorlesung anbieten will, soll auch die Kunst im Hinblick auf Fragen von Geschlecht, Klasse und Rasse behandeln.

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