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Der Generaldirektor der WHO, Tedros Ghobreyesus, ließ sich willig von Bill Gates einspannen.

25. Oktober 2022 / 01:26 Uhr

Covax, die Pharmaindustrie und das große Geschäft mit der Corona-Impfung

Die Corona-Impfung, ihre Herstellung, ihr Vertrieb und die Kommunikation, ist die kolossalste Marketingkampagne der Geschichte, die von privaten Einrichtungen im Auftrag öffentlicher Institutionen jemals durchgeführt wurde.

WHO-Kampagne „Impfstoffe für alle“

Eine Kampagne, die, um den Regeln der politischen Korrektheit und des fairen Handels zu entsprechen, natürlich nicht auf die Unterstützung durch das Prinzip „Solidarität“ verzichten konnte.

Die Speerspitze der solidarischen Kommunikation war das Covax-Programm, das Anfang 2021 vom Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Ghobreyesus, mit großem Pomp angekündigt worden war, und das ehrgeizige Ziel verfolgte, „Impfstoffe für alle“, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen, bereitzustellen.

Anregung der „Bill and Melinda Gates“-Stiftung

Covax wurde in Seattle, USA, auf Anregung der „Bill and Melinda Gates“-Stiftung konzipiert, von der UNO unterstützt und funktionierte – wie Nicoletta Destino, Direktorin des globalen Gesundheitsprogramms der „Society for International Development“, erklärte – „in Wirklichkeit nach der Markt-Logik“:

Die ursprüngliche Idee war nicht, Impfdosen zu spenden, sondern ein Sortierzentrum für in Indien hergestellte Impfstoffe von AstraZeneca zu werden. Covax konzentrierte sich daher zunächst auf einen einzigen Impfstoff, AstraZeneca, und eine einzige freiwillige Lizenz für das Indian Serum Institute. Das Ganze endete, als der indische Premierminister Narendra Moti im März 2021 beschließt, die Exporte von AstraZeneca zu stoppen und sie für Indien zu behalten.

Zunehmende Nebenwirkungen

In der Zwischenzeit wollte der Westen AstraZeneca wegen der Nebenwirkungen nicht mehr (die gleichen, die übrigens etwas später auch bei Pfizer und Moderna festgestellt wurden), und es erschien unangemessen, davon nun Dosen in die Länder des Südens zu schicken.

„An diesem Punkt muss sich Covax neu strukturieren“, so Dentico, indem es sich zum Ziel setzte, zwei Milliarden Corona-Impfdosen bis Ende 2021 den begünstigten Staaten zur Verfügung zu stellen. Davon sollten mindestens 1,3 Milliarden an einkommensschwache Volkswirtschaften vergeben werden.

Projekt gescheitert

Natürlich ist das Projekt gescheitert.

Als die ersten Impfstoffe Ende 2020 zugelassen wurden, war bereits klar, dass viele Länder mit hohem Einkommen Zugang zu viel mehr Dosen haben würden, als sie benötigen. Die meisten Entwicklungsländer hingegen warteten Ende Mai 2021 noch immer auf die erste Dosis, sie hatten bis dahin insgesamt nur ein Prozent der Dosen erhalten und verabreicht.

WHO im Bunde mit Impfstoffallianz Gavi

Am 1. Juni 2021 trieb WHO-Generaldirektor Ghebreyesus erneut die Covax-Initiative. Die erneuerte Partnerschaft, der die WHO, Unicef und die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (Capi) und vor allem die globale Impfstoffallianz Gavi (deren Hauptsponsoren wiederum die WHO, Unicef, Bill and Melinda Gates Stiftung und Pharmakonzerne sind) angehören, sollte dem „Austausch von Fachwissen und Erfahrungen“ dienen. Covax wird also als „Wissensaustausch“-Programm vorgestellt.

Doch die Pharmakonzerne erklärten sich nur gegen garantierte und hohe Bestellungen zur Mammutproduktion der Corona-Impfstoffe bereit. Daher sollten, so der Aufruf, die westlichen Staaten auch für die Dosen für die Länder mit niedrigerem Einkommen bürgen und sie bestellen. Und so bestellte Ursula von der Leyen für die EU 4,5 Milliarden Impfdosen, obwohl hier nur 450 Millionen Menschen leben, d. h. zehn Dosen pro Einwohner, vom Säugling bis zum Hundertjährigen, fünfmal mehr Dosen, als in Europa „gebraucht“ worden wären. Wozu!? – Damit die Pharmaindustrie die von ihr geforderten, noch nie dagewesenen Bestellungen zusammenbringt und mit der Impfstoffproduktion beginne.

Außergewöhnliche Medienberichterstattung

Im September 2021 erklärte Gavi-Chef Seth Berldey, dass „der Austausch mit Covax die wirksamste Maßnahme ist, um die Verbreitung des Virus zu stoppen“. Seine Botschaft wurde von einer außergewöhnlichen Medienberichterstattung begleitet, die durch Bilder von Staats- und Regierungschefs der Geberländer untermauert wurde, die sich gegenseitig für ihre „gemeinsamen Beiträge“ lobten und anfeuerten.

Das ganze Jahr 2021 hindurch werden die Begriffe „Austausch“ und „Impfstoffspenden“ synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Bedeutungen haben.

Aus „Austausch“ wird „Spende“

Im Laufe der Monate tritt der Begriff „Spende“ allmählich in den Vordergrund und ersetzt schließlich ganz den Begriff „Austausch“ – alles mit der Komplizenschaft der Mainstream-Medien, die die „Großzügigkeit“ der Geberländer betonen.

Der Begriff „Spende“ bezieht sich sowohl auf die versprochenen, als auch auf die tatsächlich gelieferten Impfstoffdosen, deren Anzahl wesentlich geringer ist. Die Botschaft, die die Öffentlichkeit erreicht, lautet, dass die „reichsten“ Staaten der Welt so verschwenderisch „großzügig“ sind, dass sie selbst für die Menschen in Ländern mit geringem Einkommen die Impfdosen kaufen und spenden. Gewissermaßen weltweit und für den guten Zweck.

Ärmere Länder müssen mehr zahlen

Kaufen die ärmeren Länder nämlich selbst ihre Impfdosen bei den Herstellern, so müssen sie tief in die Tasche greifen: Impfstoffe von BionTech/Pfizer werden in Uganda und Südafrika zum Dreifachen des von der EU gezahlten Preises verkauft. Die Pharmakonzerne setzen auf den „dringenden Bedarf“, der zuvor erzeugt worden war.

Letztendlich scheint Covax eher einer Marktlogik als einer Logik der Solidarität zu folgen: Covax organisiert ein System von Preisen, die nach den Kapazitäten der einzelnen Länder gestaffelt sind (den Letzten beißen die Hunde), stellt AstraZeneca-Dosen zur Verfügung, die im Westen niemand haben will, schleust BionTech/Pfizer und Moderna ein, um die Dosen länderspezifisch mixen zu können, und verbessert gleichzeitig das Ansehen der Herstellerfirmen und der westlichen Staaten.

Jeder siebte Impfstoff über Covax vermittelt – aber unbrauchbar

Die erzielten Ergebnisse entsprechen jedoch nicht der Medienpropaganda: Die im Rahmen des Covax-Projekts gespendeten Dosen betragen weniger als die Hälfte der vermarkteten Dosen. Von den fast 13 Milliarden weltweit verkauften Dosen wurden bis zu diesem Oktober 1,797 Milliarden Dosen über Covax vermittelt, von denen nur 796 Millionen Dosen tatsächlich gespendet wurden.

Der Rest wurde vermarktet zu Preisen von bis zu 40 Dollar pro Dosis für Moderna. Außerdem trafen die gespendeten Waren oft erst kurz vor dem Verfallsdatum ein, oder waren bereits abgelaufen:

  • Die kenianische Regierung erhielt fast 840.000 abgelaufene Dosen.
  • In Nigeria waren von zehn Millionen gespendeten Dosen eine Million bereits verfallen und neun Millionen kurz vor dem Verfallen.
  • In Uganda wurden 400.000 Dosen von Moderna und AstraZeneca weggeworfen, weil sie nicht mehr verwendbar waren.

Die tatsächlichen Zahlen dürften wesentlich höher liegen, doch fehlen genaue Angaben. Viele Regierungen nennen diese Zahlen ungern. Sie finden sich da und dort, doch Gesamtzahlen existieren nicht.

Großteil der Lieferungen erst Ende 2021

Ärmere Länder sind ohne oder mit zu geringer Vorwarnung nicht in der Lage, Impfkampagnen und Logistik innerhalb von Wochen zu organisieren, wie WHO-Chef Ghebreyesus im Dezember 2021 selbst feststellte, und was allen Beteiligten schon vorher klar war.

Außerdem begann der Großteil der Lieferungen an die begünstigten Länder erst Ende 2021, als der angebliche Notstand ohnehin schon vorbei war und sich bereits die Omikron-Variante in Umlauf befand.

„Nachfrageproblem“

Der Moderna-Chef Stéphane Bancel gestand im vergangenen Mai in Davos, gerade dabei zu sein, 30 Millionen Dosen wegzuwerfen, „weil sie niemand haben will“. „Wir haben ein großes Nachfrageproblem“, so Bancel auf der Tagung des Weltwirtschaftsforums. Pfizer-Chef Albert Bourla sprach bei derselben Gelegenheit von großen Mengen an Impfdosen, die ungenützt in den Lagern lägen.

Im Juli 2022 wurde das Covax-Programm eingestellt. Die Operation war gescheitert. Oder doch nicht ganz?

Alte Kolonialmächte nützen Gunst der Stunde

Laut Dentico „herrschte ein regelrechter Impfdosenkrieg“. Es setzte eine „Impfdosen-Diplomatie“ ein. Westliche Staaten übergingen Covax und handelten nach eigenen Vorgaben, indem sie – mit Impfdosen zur Hand – die Gelegenheit nützten, bilaterale Beziehungen mit verbündeten Staaten oder ehemaligen Kolonien zu festigen.

Spanien verteilte in Lateinamerika, Frankreich in Nordafrika, China und Indien in Myanmar und Bangladesch, Japan in Südostasien, Russland in Syrien, Weißrussland und Kasachstan, Portugal in Angola und Mosambik und so weiter. Italiens damaliger Außenminister Luigi Di Maio (Fünf-Sterne-Bewegung) „schmuggelte“ Pfizer-Impfdosen nach Albanien, um den „imperialistischen und kapitalistischen Vertrag“ zu umgehen, wie der albanische Ministerpräsident Edi Rama enthüllte, was Pfizer veranlasste, mit einer Klage zu drohen.

Gigantisches Geschäft für einige Pharmakonzerne

Was mithilfe der Massenmedien als „multilaterale Anstrengung der globalen Solidarität“ präsentiert worden war, war ein gigantisches Geschäft für einige Pharmakonzerne und für einige Staaten als Nebenprodukt ein eigennütziges Instrument der Diplomatie und der Geopolitik.

Allein Pfizer nannte im November 2021, Erlöse aus der Corona-Impfstoffproduktion von 36 Milliarden US-Dollar erzielen zu wollen, und 2022 noch einmal 29 Milliarden.

Covax – Verkaufspromotor für die Pharmaindustrie

Die letzte Bestätigung, dass sich hier eine supranationale Organisation vor den Karren spannen ließ, um gigantische Profite für einzelne Firmen zu generieren, lieferte Katerini Storeng, Universitätsdozentin in Oslo, mit dem Hinweis, dass die Pharmakonzerne keine einzige (!) Impfdosis an Covax gespendet haben. Bezahlt haben nur die Steuerzahler, hauptsächlich die Bürger der Industriestaaten.

Die WHO-Initiative Covax erweist sich damit als nicht mehr und nicht weniger: als geschickt getarnter Verkaufspromotor für die Pharmaindustrie.

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