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Schon im ersten Wahlgang erreichte Amtsinhaber Alexander Van der Bellen mehr als 56 Prozent – er bleibt also für weitere sechs Jahre Bundespräsident Österreichs.

9. Oktober 2022 / 17:24 Uhr

Österreich hat entschieden: Absolute Mehrheit für Alexander Van der Bellen

Nach Auszählung der Wahlkarten am Montag steht nun das Endergebnis der Bundespräsidentenwahl fest: 56,69 Prozent der Wähler entschieden sich für Amtsinhaber Alexander Van der Bellen, der damit die absolute Mehrheit auf Anhieb schaffte. Österreich darf sich über sechs weitere Jahre mit einem systemkompatiblen Schweige-Präsidenten freuen.
17,9 Prozent für Zweitplatzierten Walter Rosenkranz
FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz erreichte als Zweiter 17,68 Prozent, Platz drei ging an Bierpartei-Chef Dominik Wlazny alias Marco Pogo (8,3), knapp gefolgt vom Kronen Zeitung-Kandidaten Tassilo Wallentin (8,1). Abgeschlagen dahinter Ex-BZÖ-Chef Gerald Grosz mit mageren 5,6 Prozent, die beiden Schlusslichter bildeten MFG-Chef und Rechtsanwalt Michael Brunner (2,1) und der Waldviertler-Schuherzeuger Heinrich Staudinger (1,6 Prozent). Spannend könnte morgen, Montag, nach Auszählung der Wahlkarten also noch der Kampf um Platz drei werden.
Zweitbestes Ergebnis eines FPÖ-Kandidaten
Walter Rosenkranz erklärte im ORF-Gespräch mit Hans Bürger auf die Frage, ob er vom Wahlausgang enttäuscht sei, dass er immerhin das historisch zweitbeste Ergebnis eines freiheitlichen Kandidaten eingefahren habe. Zudem habe er sein erklärtes Wahlziel, den souveränen zweiten Platz, erreicht. Dass der Verweis auf die 49,7 Prozent, die FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bei der letzten Wahl 2016 im ersten Durchgang geschafft hatte, nicht ganz fair sei, nahm Bürger gleich vorweg. Rosenkranz erklärte, dass das Umfeld damals ein ganz anderes gewesen sei. Tatsächlich war Van der Bellen diesmal als amtierender Bundespräsident angetreten. Bisher hatten noch alle österreichischen Bundespräsidenten, die dazu angetreten waren, ihre Wahl zur zweiten Amtszeit geschafft. Wobei Heinz Fischer und Thomas Klestil deutlich bessere Ergebnisse einfahren konnten als VdB.
Hätte eine Frau mehr erreicht?
Auch die Frage, ob nicht eine Frau ein besseres Ergebnis erreicht hätte – im Vorfeld war auch FPÖ-Verfassungssprecherin Susanne Fürst als potentielle Kandidatin diskutiert worden – war rein hypothetisch. Rosenkranz konterte, dass dies möglich sei, er aber keine Glaskugel besitze. Fürst selbst meinte, sie habe Rosenkranz in seinem Wahlkampf voll unterstützt, weil der Werte und Standpunkte der Partei optimal vertreten würde. Zudem habe auch seine Ehefrau Susanne sich stark im Wahlkampf an der Seite ihres Mannes engagiert.
FPÖ einzige Alternative zum schwarz-rot-grün-pinken Polit-System
FPÖ-Bundesparteichef Herbert Kickl gratulierte Rosenkranz zu dessen Ergebnis und dankte auch seiner Familie für deren starkes Engagement. Mit Freiheit, Souveränität, Neutralität, Sicherheit und Wohlstand habe Walter Rosenkranz als FPÖ-Kandidat auf die richtigen Themen gesetzt und einen hervorragenden Wahlkampf geführt, indem er als einziger Kandidat tagtäglich bei der Bevölkerung an Ort und Stelle gewesen sei. Das hätten die Wähler auch mit einem starken Ergebnis bestätigt: „Die Bürger haben unseren freiheitlichen Kurs heute deutlich gestärkt. Die FPÖ ist die einzige rot-weiß-rote Alternative zum schwarz-rot-grün-pinken Polit-System, für die das Wohl unserer Heimat und die Interessen der Bürger an allererster Stelle stehen. Diesen Weg für unser Österreich werden wir in den nächsten Wochen und Monaten konsequent fortsetzen!“
VdB hatte alle Parteien außer der FPÖ hinter sich
Generalsekretär Michael Schnedlitz verwehrte sich gegen die Frage, ob Walter Rosenkranz zwischen den drei anderen rechten Kandidaten „zerrieben worden sei“. Dies sei keineswegs der Fall, fast 20 Prozent der Stimmen sei ein respektables Ergebnis. Tatsächlich hatte Rosenkranz deutlich mehr als doppelt so viele Wählerstimmen eingefahren wie der Drittplatzierte. Wie Schnedlitz betonte, sei es kein besonders glücklicher Tag für Van der Bellen, denn dieser habe, mit Ausnahme der FPÖ, alle anderen im Parlament vertretenen Parteien hinter sich gehabt. Die FPÖ hingegen habe es als ihre staatsbürgerliche Pflicht gesehen, als einzige Partei einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Gegengerechnet würden nämlich 45 Prozent der Österreicher sich eine Veränderung der Politik im Land wünschen.
Schnedlitz schloss dezidiert aus, dass es – wie beim letzten Mal 2016 – zu einer Wahlanfechtung durch die Freiheitlichen kommen werde. FPÖ-Parteichef Herbert Kickl war dem Wahlkampf-Lokal „Vino“ in der Wiener Innenstadt aus Gesundheitsgründen ferngeblieben (er ist aber nicht mit Corona infiziert).
Bei Jungen und in Kärnten hätte VdB in Stichwahl müssen

Wien war, wie üblich, wieder einmal anders: Dort schaffte nach der Auszählung der Wahlkarten heute, Montag, VdB 65,42 Prozent, gefolgt von Bierpartei-Wlazny (10,7) und knapp dahinter Rosenkranz, der am Sonntag noch auf Platz zwei gelegen war (10,44), dahinter abgeschlagen Wallentin (7,2), Grosz (3,84), Brunner (1,68) und Staudinger (1,0). Bei den Unter-30-Jährigen hätte VdB mit lediglich 47 Prozent in die Stichwahl müssen – allerdings gegen Wlazny mit mehr als 20 Prozent. Rosenkranz erreichte nur knapp 14. (Stand Sonntag 18.30 Uhr). In Österreich gibt es allerdings wesentlich mehr Senioren als unter 30-Jährige. In Kärnten wiederum erreichte VdB fast nirgends die Absolute (insgesamt 45 Prozent), müsste daher in eine Stichwahl gegen Rosenkranz, der 24,2 Prozent einfuhr.
Die Wahlbeteiligung lag bei für eine Bundespräsidentschaftswahl eher schwachen 66 Prozent. 6,4 Millionen Österreicher waren wahlberechtigt.

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