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Peter Ebner und Arnold Klammer

Die beiden SPÖ-Bürgermeister, Peter Ebner (li.) und Arnold Klammer aus dem Mölltal in Kärnten, gehen mit ihrer Parteichefin in Sachen Impfen gar nicht konform.

23. August 2022 / 19:36 Uhr

SPÖ-Bürgermeister aus Kärnten: „Beim Impfen interessiert mich meine Partei überhaupt nicht“

Beim Thema „Impfen“ sind nicht nur die Bürger, sondern auch die Funktionäre der SPÖ gespalten. Zwei Bürgermeister aus dem Mölltal in Kärnten, in deren Gemeinden die Impfquote besonders niedrig ist, lesen der Bundes-SPÖ und ihrer Chefin, Pamela Rendi-Wagner, für deren Corona-Politik die Leviten.
Unzensuriert traf in Obervellach im Mölltal, Bezirk Spittal an der Drau in Kärnten, zwei SPÖ-Bürgermeister zum Interview. Der eine, Peter Ebner (Bürgermeister in Stall, Mölltal), ließ sich vor einem Jahr mit Johnson & Johnson gegen das Corona-Virus impfen und konnte danach kaum noch gehen. Unzensuriert berichtete. Der andere, Arnold Klammer (Bürgermeister in Obervellach), ist als dreifach Geimpfter trotzdem an Corona erkrankt und kritisiert die Spaltung der Gesellschaft scharf.
Ebner: „Mich kriegen sie jedenfalls nicht mehr“

Unzensuriert: Herr Bürgermeister Ebner, nach der Corona-Impfung im Juli des Vorjahres klagten sie über einen massiven Impfschaden, wie geht es Ihnen heute?

Peter Ebner: Bei mir hat es drei Monate gedauert, bis es etwas besser geworden ist. Aber bis heute bin ich noch nicht auf 100 Prozent. Das Kribbeln in den Händen ist immer noch da, ich schwitze schnell – die Energie ist einfach nicht mehr vorhanden.

Haben Sie bezüglich Impfschaden Ansprüche gestellt?

Nein, das hat mich nicht interessiert. Mich kriegen sie jedenfalls nicht mehr.

Ihre Gemeinde war ja – aufgrund Ihres Vorfalls – Österreichs Schlusslicht bei Impfungen. Ist das heute auch noch so?

Das weiß ich nicht. Damals war es so, weil die Leute erfragt haben, wie es mir ergangen ist. Dann haben sie gemeint, wenn es schon dem Büffel (Bürgermeister, Anm. d. R.) so schlecht geht, dann lassen wir uns nicht impfen, denn dann packen wir es auch nicht. Wir haben ja viele in der Gemeinde, die bis heute schwere Probleme wegen der Impfung haben.
Unsere Parteichefin soll den Leuten die Entscheidung selbst überlassen

Die allgemeine Stimmung ist also gegen die Impfung?

Zum Großteil sagen die Leute, „die oben wissen nicht, was sie tun sollen, und daher lasse ich mir nicht irgend etwas hinein spritzen“. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und soll selbst darüber entscheiden, ob er sich impfen lassen will oder nicht. Ich lasse mich sicher nicht mehr impfen, weil das hat mir gereicht.

Die Bundes-SPÖ ist aber grundsätzlich für das Impfen?

Mich interessiert meine Partei da überhaupt nicht. Die sollen nachdenken. Es ist ja gut, dass wir eine Chefin haben, die Ärztin ist, aber sie soll den Leuten selber die Entscheidung überlassen.
Klammer: „Spaltung der Menschen war grausig“

Wie ist die Stimmung bezüglich Impfung in der Gemeinde Obervellach, Herr Bürgermeister Klammer?

Arnold Klammer: Wir sind hier auch nicht die übergroßen Befürworter der Corona-Impfung. Wir sind mit der Impfquote gegenüber anderen Gemeinden weit hinten. Ich selbst bin zwar drei Mal geimpft, habe aber auch Corona bekommen. Ich würde mir nicht anmaßen, jemanden zu sagen, dass er sich impfen lassen soll. Es soll für jeden eine freie Entscheidung sein. Es war grausig, wie hier die Menschen gespalten wurden, gerade bei uns am Land, wo wir eigentlich gewohnt waren, zusammenzuhalten.

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