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Werner K. und Beata K. / Wasser

Nachdem ein Labor das Trinkwasser für „genussuntauglich“ qualifizierte, wird der Kaffee bei der Familie K. in Wien-Donaustadt nur noch mit Wasser aus der Mineralwasser-Flasche gemacht.

9. Juni 2022 / 11:46 Uhr

Tote Fische im Aquarium, „verseuchtes“ Wasser: Hausverwaltung leitete „vorsorgliche Maßnahmen“ ein

23 von 25 Fische sollen im Aquarium verendet, und laut eines AGES-Gutachtens sollen im Wasser Bakterien und Legionellen nachgewiesen worden sein: Beata und Werner K. aus Wien-Donaustadt sind verzweifelt. Bei der Hausverwaltung, der Sozialbau AG, sah man aber keine Gesundheitsgefahr durch das Leitungswasser, wie aus einem Schreiben vom 6. Mai an die Betroffenen zu lesen ist. Nachdem unzensuriert der Hausverwaltung das jüngste AGES-Gutachten übermittelt hatte, handelte diese aber sofort.
Kaffee mit Wasser aus der Mineralwasser-Flasche
Werner K. sagte gegenüber unzensuriert:

Wir machen unseren Kaffee nur noch mit Wasser aus der Mineralwasser-Flasche, denn von einem Labor wurden Legionellen und Bakterien nachgewiesen – das Wasser wird von diesem Labor als genussuntauglich und als „Kein Trinkwasser“ bezeichnet.

Werte innerhalb der zulässigen Grenzen
Im Schreiben der Sozialbau AG an die betroffenen Mieter vom 6. Mai wehrte man sich gegen diese Anschuldigung:

Derartige Behauptungen sind äußerst schwerwiegend und werden von uns entsprechend ernst genommen. Nach einer ersten Meldung diesbezüglich in den vergangenen Woche wurden am 27.04.2022 umgehend Wasserproben entnommen und zur Analyse in ein Labor geschickt. Aufgrund einer Meldung durch einen verunsicherten Eigentümer war zudem bereits am Donnerstag die MA31 (Wiener Wasser) vor Ort und hat mittels mobilem Labor Sofortuntersuchungen durchgeführt. Alle festgestellten Werte waren innerhalb der zulässigen Grenzen und laut MA31 so weit bekannt, unbedenklich.

Anwalt spricht von „Gesundheitsgefährdung“
Das bestritt der Rechtsanwalt der Familie K., Walter Lichal, vehement. In einem Brief an die Sozialbau AG vom 3. Juni heißt es, seine Mandantschaft hätte auf eigene Kosten (198 Euro, Anm. d. Redaktion) eine Wasseranalyse bei der AGES durchführen lassen – und zwar mit dem Ergebnis, dass das Leitungswasser bakteriell belastet sei. Konkret wäre eine 44-fache Überschreitung des Grenzwerts (880 statt 20) für koloniebildende Einheiten bei 37°C festgestellt worden, außerdem seien im Wasser Legionellen nachgewiesen worden. Daher könne von einer unmittelbaren Gesundheitsgefährdung für seine Mandantschaft ausgegangen werden.
Inzwischen, so Anwalt Lichal, hätten Beate und Werner K. ein Gerät angeschafft, dass das Wasser mittels Kohlefilter reinigen würde. Die Kosten dafür, 2.895 Euro, wolle seine Mandatschaft zurückerstattet bekommen.
Dank unzensuriert zu Gutachten gekommen
Unzensuriert hat die Sozialbau AG per Mail um eine Stellungnahme gebeten – und diese reagierte prompt. Der Abteilungsleiter für Kommunikation in der Sozialbau AG teilte heute, Donnerstag, mit, dass man der Sozialbau den Befund der AGES trotz mehrmaliger Bitte „leider nicht zur Verfügung gestellt“ habe. Nach Erhalt des Befundes durch unzensuriert wären nun vorsorgliche Maßnahmen eingeleitet und die betroffenen Bewohner informiert worden. Wörtlich teilte die Kommunikationsabteilung der Sozialbau unzensuriert mit:

Aus Anlass der bei uns – einige Tage vor dem Ende April in „Österreich“ erschienenen Artikels –  eingegangenen Meldung von Herrn K., wonach das Leitungswasser der Wohnhausanlage mit Nitrit und einem gesundheitsgefährdend hohem Anteil an Eisen „verseucht“ wäre, hat die SOZIALBAU AG als Verwalterin der Wohnungseigentümergemeinschaft umgehend (noch vor Erscheinen des „Österreich“-Artikels) eine Wasseranalyse beauftragt. Hierbei konnte keine über die Grenzwerte reichende Konzentration von einer der genannten Substanzen festgestellt werden. Aufgrund des Zeitungsartikels und entsprechenden Aushängen von Herrn K. wurde ebenfalls umgehend die MA31/39 aktiv, welche eine umfassende chemische, biotechnische und mikrobiologische Analyse des Wassers der Wohnhausanlage vorgenommen hat. Im Zuge dessen wurden auch keine koloniebildenden Einheiten (Legionellen) festgestellt. Die einwandfreie Trinkwasserqualität wurde bestätigt. Hervorheben möchten wir weiters, dass regelmäßig Legionellenprüfungen im Zuge der Wartung der Heißwasseraufbereitungsstelle durchgeführt werden. Die Probeabnahme erfolgt dabei durch die Firma Wien Energie, die Analyse ebenfalls durch die AGES. Der letzte diesbezügliche Befund wurde uns am 19. Mai 2022 zugestellt, hier konnten ebenfalls keine Legionellen festgestellt werden.
Maßnahmen eingeleitet, Bewohner informiert
Betreffend den von Herrn K. beauftragten Befund von AQA (ausgeführt ebenfalls von AGES) können wir Ihnen mitteilen, dass uns dieser trotz mehrmaliger Bitten leider nicht zur Verfügung gestellt wurde. Nachdem wir nun den Befund von Ihnen erhalten haben, wurden – wie in einem derartigen Fall vorgesehen – vorsorglich Maßnahmen eingeleitet und die betroffenen BewohnerInnen informiert. Die Wasserleitungen werden dabei mit Heißwasser gespült und über die Dosieranlage der Wasseraufbereitung ein für diesen Zweck vorgesehenes Mittel eingespeist, welches die Wasserqualität nicht beeinflusst, aber die Legionellen-Bildung verhindert.
Wasserleitung nicht oft in Betrieb
Nach Rücksprache mit einem Fachexperten wird die Legionellen-Bildung in den meisten Fällen durch nicht benutzte Wasserleitungen, in denen das Wasser über längere Zeit steht, verursacht. Dadurch finden Legionellen ideale Bedingungen vor. Die im „Österreich“-Artikel erwähnte Praxis von Herrn K., für das Kaffeekochen Mineralwasser zu verwenden, lässt darauf schließen, dass die Wasserleitung nicht oft in Betrieb genommen wird und erklärt somit auch die Differenzen der Wasseranalyse von Herrn K., die erst etwa zwei Wochen nach den vorangegangenen Analysen durchgeführt wurde.

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