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Frieren in der Wohnung

Verrechnet: Russland nimmt mit dem Energiegeschäft so viel Geld ein, dass es damit die Sanktionen abmildern kann. Für die Europäer sieht es schlimmer aus: Ihre Regierungen haben die hohen Energiepreise erzeugt, aber kein Geld, um die Folgen zu kompensieren.

3. Juni 2022 / 12:28 Uhr

Schuss ins Knie: Während Europa verarmt, explodieren die Einnahmen in Russland

Die Europäische Union und mit ihr die Regierungschefs der EU-Staaten muten ihrer Bevölkerung höchste Energiepreise zu, um Russland für seinen Angriff auf die Ukraine zu bestrafen. Ja, in vollkommener Selbstüberschätzung mit dem Verzicht auf russisches Erdöl und Erdgas, um Russland in die Knie zu zwingen und der Ukraine zum Sieg zu verhelfen.
Putin machte sich über Sanktionen lustig – zu Recht
Präsident Wladimir Putin hatte sich kürzlich über die Sanktionen lustig gemacht und gesagt, Europas „chaotische Aktionen“ hätten zu einem Anstieg der Öl- und Gaseinnahmen für Russland geführt.
Und damit dürfte er recht gehabt und die Westeuropäer sich schrecklich verrechnet haben: Nichts ist mit der Ankündigung zum Beispiel des „Osteuropa-Experten“ Janis Kluge, der erklärte, dass sich die Deviseneinnahmen Russlands aus dem Verkauf von Energieträgern halbieren würden.
Deutlich mehr Einnahmen, als im Budget vorgesehen
Das Gegenteil ist der Fall. Denn Russlands Geschäfte mit Öl und Gas sind lukrativer denn je! Im April nahm Moskau 1,8 Billionen Rubel aus dem Verkauf von Öl und Gas ein, im März waren es noch 1,2 Billionen Rubel.
Russland ist eines der größten Erdöl- und Erdgas exportierenden Länder, an dem niemand so einfach vorbei kann. Zwar haben die westlichen Staaten die Importe gedrosselt, aber das führte nur dazu, dass die Preise am Markt stiegen, wovon letztlich auch Russland profitierte.
Das sieht auch der Ökonom Guntram Wolff, Direktor des Brüsseler Bruegel-Instituts, so, wie er in der ZIB2 am gestrigen Donnerstag erklärte: Europa habe sich mit seinen Sanktionen selbst ins Knie geschossen. Statt eines Öl-Embargos, das nur die Energiepreise in die Höhe treibe, aber Russland kaum schadet, wäre es wesentlich sinnvoller gewesen, Zölle auf russische Energie einzuheben. Das hätte den genau gegenteiligen Effekt gehabt. Doch die EU hat sich für den populistischen Weg entschieden.
China und Indien auf Überholspur
Und das dürfte sich doppelt niederschlagen: Während die westlichen Regierungen ihren Bürgern nur noch überteuerte Energiequellen anbieten wollen, reißen sich China und Indien darum, russisches Öl und Gas zu günstigen Preisen zu kaufen. Und hängen damit die westliche Wirtschaft ab, wahrscheinlich langfristig. Denn günstige Energie ist die Basis der Wirtschaft und des Wohlstands.
Während die westlichen Staaten ihre Bürger die Zeche für ihre politischen Ziele zahlen lassen und kein Geld haben, um die Folgen abzumildern, sieht es in Russland anders aus. Dort treffen die Sanktionen natürlich die Wirtschaft und die Bürger.
Geld an Bürger, um Folgen der Sanktionen abzumildern
Aber die zusätzlichen Einnahmen aus dem Energiegeschäft ermöglichen es der Regierung, die gröbsten Folgen der Sanktionen abzumildern.
Wie das Finanzministerium bekanntgab, erreichte der russische Haushalt in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits die Hälfte der für das ganze Jahr geplanten Öl- und Gas-Einnahmen! Russland erwartet für 2022 zusätzliche Energie-Einnahmen von mehr als 14 Milliarden US-Dollar. Einen Teil der zusätzlichen Einnahmen will Finanzminister Anton Siluanov für die Militäroffensive in der Ukraine verwenden, den anderen Teil für zusätzliche Zahlungen an Pensionisten und Familien mit Kindern.

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