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Studenten mit Masken im Hörsaal

„Heuchlerisch“, „nicht nachvolziehbar“, so beschreiben Studenten in Wien die Corona-Regeln an ihren Hochschulen, wo auch in den heißen Tagen Maskenpflicht herrscht.

20. Mai 2022 / 12:50 Uhr

Studenten-Aufstand gegen Corona-Chaos an den Wiener Hochschulen

Maskentragen auch in sechstündigen Seminaren, „2G“-Nachweis bei Veranstaltungen mit Getränken, Verwirrung bei Regeln für Zutritt zu Lehrveranstaltungen – die Studenten in Wien haben endgültig die Nase voll vom Corona-Chaos an den Wiener Universitäten. Zudem fühlen sie sich von der Politik verhöhnt, nachdem ÖVP-Delegierte bei ihrem Parteitag in Graz dichtgedrängt nebeneinander saßen – ohne Maske, ohne „2G“-Nachweis.
Hilferuf praktisch von allen Hochschulen
Nach dem unzensuriert-Bericht „Evidenzbefreite Willkür: Studenten werden nach wir vor mit Maskenpflicht und 2G schikaniert“ haben sich zahlreiche junge Menschen von verschiedenen Hochschulen an uns gewandt – eine Hilferuf, um absurde Regelungen zu bekämpfen. Sie alle wollen anonym bleiben, weil sie Repressalien befürchten. Auch das ist bezeichnend in einem Land, wo angeblich Meinungsfreiheit herrscht.
Maskentragen in sechstündigen Seminaren
Eine 23-jährige Studentin der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft schrieb:

An der Uni Wien zählt das Maskentragen auch in 6-stündigen Seminaren trotz steigender Temperaturen nach wie vor zur Norm. Zu Beginn der meisten Einheiten wird sogar extra nochmals auf die Maskenpflicht hingewiesen. „Glücklich“ schätzen darf man sich allerdings, da sie, wenn man spricht, ausnahmsweise abgenommen werden darf.

„Ausgrenzung hat mir psychisch zugesetzt“
Ein 28-jähriger Student der Translationswissenschaften an der Universität Wien machte folgende Erfahrung:

Ich studiere am Institut für Translationswissenschaft und wurde trotz meines Maskenattests in der Vergangenheit bereits mehrmals von Security-Mitarbeitern angehalten. Dieses wurde seitens der Universität nie anerkannt und dies damit begründet, dass dieses nicht gültig sei, weswegen mir auch der Onlineunterricht versagt wurde. Diese Ausgrenzung hat mir psychisch so zugesetzt, dass bereits körperliche Beschwerden meinen Alltag beeinträchtigen. Meine Professorin nahm darauf keine Rücksicht und erwartete trotz meiner Umstände, dass ich die an mich gestellten Aufgaben fristgerecht erledige. Ich fühle mich mit meiner Situation nicht ernst genommen.

„2G“ bei Events mit Essen und Trinken
Eine Studentin an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien berichtet:

Bei Präsenzveranstaltungen und Prüfungen an der BOKU ist noch immer durchgehend eine FFP2-Maske zu tragen. Sofern es bei Veranstaltungen Essen oder Getränke gibt, ist eine Teilnahme nur mit 2G-Nachweis möglich. Ein Beispiel dafür ist der sog. „Biermontag“, der vor Corona regelmäßig stattfand. Teile der Studienvertretung waren gegen diese Regelung, die Abschaffung scheitert aber am universitätsinternen Widerstand.

„Maskenpflicht belastet mich sehr“
Ein 24-jähriger Student der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien meinte:

Nachdem an der Uni Wien derzeit immer noch eine Maskenpflicht in Lehrveranstaltungen gilt, belastet mich diese auch immer noch. 1,5 Stunden eine FFP2-Maske zu tragen, welche vor, nach und während (bei Redebeiträgen und von der Referentin) der Lehrveranstaltung sowieso abgenommen wird, erscheint mir nicht sinnvoll, vorausgesetzt man hält an der Überzeugung fest, dass diese Art von Masken einen Schutz gegen das „tödliche“ Corona-Virus bietet.

Heuchlerisch und nicht nachvollziehbar
Eine 22-jährige Studentin an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien bringt die heuchlerischen Maßnahmen auf den Punkt:

Die 2G-Regelung für solche Lehrveranstaltungen ist komplett heuchlerisch. In den Räumlichkeiten, in denen z.B. der „Biermontag“ stattgefunden hat, wird tagsüber gelernt, gegessen und am Abend manchmal noch gemütlich etwas zusammen getrunken und getratscht. Ein großer Teil trägt dort keine Maske und 3G gibt es dort auch nicht mehr. Es gab nie Probleme und ein Cluster ist mir auch nicht bekannt. Weshalb dasselbe, sobald es von der Studienvertretung organisiert wird, ohne 2G zu riskant sein soll, ist überhaupt nicht nachvollziehbar.

Verwirrende Regelungen an der MedUni Wien
Wie unlogisch und widersprüchlich die Corona-Maßnahmen an den Hochschulen sind, schreibt uns ein Student der MedUni-Wien. Viele Medizinstudenten hätten, so der junge Mann, den Weg der Beurlaubung vom Studium eingeschlagen, in der Hoffnung, in ein oder zwei Semestern normal mit dem Studium fortfahren zu können. Für diese Studierenden sei die Aussage der Vizerektorin Dr. Anita Rieder nun ein Schlag ins Gesicht, welche durch das Aussetzen der Kontrollen der „1G“- Regel (von der MedUni wird es als 2G Kontrolle bezeichnet, weil die Grundimmunisierung zusätzlich zur Impfung auch eine Genesung beinhalten darf) auch ungeimpften Personen den Zutritt zu Lehrveranstaltungen zusichern würde. Diese Information käme jedoch reichlich zu spät – gegen Mitte des Sommersemesters. Sein Fazit:

Mag auch ziemlich verwirrend für einige sein, nachdem an jeder Eingangstür von Lehrgebäuden ausgeschildert ist, dass laut Hausordnung nicht Grundimmunisierte sofort die Veranstaltung zu verlassen haben.

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