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Kinderarzt / Ortstafel Wolfurt

Mit einem „unüberlegten“ Schreiben an die Ärztekammer könnte der Bürgermeister von Wolfurt, Christian Natter (ÖVP), den Kinderarzt der Gemeinde vertrieben haben.

23. Dezember 2021 / 16:35 Uhr

ÖVP-Bürgermeister schwärzt Kinderarzt bei Ärztekammer an und entschuldigt sich nachher heuchlerisch bei Bürgern

Das Denunziantentum feiert in der „Pandemie“ fröhliche Urständ‘. Und der ÖVP-Bürgermeister der Marktgemeinde Wolfurt, Bezirk Bregenz in Vorarlberg, Christian Natter, ist anscheinend mittendrin. Er schwärzte den Kinderarzt seiner Ortschaft wegen seiner Einstellung zur Covid-Impfung bei Kindern und Jugendlichen bei der Ärztekammer an. Als der Kinderarzt dann tatsächlich eine Anzeige bekam, schrieb Natter den Gemeindebürgern einen Brief des Bedauerns.
Kinderarzt reagierte schockiert und betroffen
Der Kinderarzt Dr. Armin Winder reagierte auf die Anzeige mit einem Aushang in seiner Ordination – und zwar mit folgendem Inhalt:

Schockiert und tief betroffen gebe ich bekannt, dass ich von der Marktgemeinde Wolfurt, namenführend von unserem Bürgermeister, Herrn Christian Natter, bei der Ärztekammer wegen meiner angeblichen Einstellung zur Covid-Impfung bei Kindern und Jugendlichen angezeigt wurde.

Beschwerde ohne Rücksprache mit Kinderarzt
Wie aus den beiden Schreiben des Bürgermeister bzw. des Arztes (die unzensuriert beide vorliegen) hervorgeht, verfasste Natter den Brief an die Ärztekammer aufgrund vom Hörensagen durch Bürger, die sich dem Vernehmen nach bei ihm beschwert hätten. Mit dem Kinderarzt hat er darüber nie gesprochen. Dieser schreibt daher in seinem Aushang:

Traurig und betroffen macht die Tatsache, dass diese Anzeige ohne vorhergehende Kontaktaufnahme mit mir und den Versuch eines klärenden Gesprächs zustande gekommen ist.

Dr. Winder führt weiter aus, dass seine Meinung zur Covid-Impfung bei Kindern und Jugendlichen der Ärztekammer, aber insbesondere der Fachgruppe der Kinder- und Jugendfachärzte Vorarlbergs bekannt sei und dem von der Gruppe erarbeiteten Konsens vom 14. Juni 2021 entspreche, der bei der letzten Fachgruppensitzung im November bestätigt worden wäre.
Die Anzeige, so Winder, sei zwischenzeitlich von der Ärztekammer an die entsprechenden Behörden weitergeleitet worden, „sodass ich aktuell noch keine Aussage dazu machen kann, wie es gegebenenfalls standesrechtlich und beruflich für mich weitergehen wird“.
„Nie vorgehabt, dass es zur Anzeige kommt“
Die Vernaderung des ÖVP-Bürgermeisters dürfte im Ort für Unmut sorgen, weshalb sich Natter wohl dazu genötigt fühlte, einen Entschuldigungs-Brief an die Gemeindebürger zu schicken. Er habe nicht gewollt, dass die Ärztekammer sein Schreiben an externe Stellen weitergeleitet hat, in keinster Weise habe er mit seinem Schreiben vorgehabt, dass ein langjähriger und verdienter Wolfurter Kinderarzt zur Anzeige gebracht oder dass sogar seine gut geführte Ordination geschlossen werde. Mit dem Ausdruck seines Bedauerns heißt es in der Pressemitteilung des Bürgermeisters außerdem (im Original mit linkem „Gendersternchen“):

Wie ich in meinem Schreiben an die Ärztekammer ausdrücklich festgehalten habe, kenne ich Dr. Winder grundsätzlich als Impfbefürworter, und dürfen auch Ärz*innen im Zuge der Meinungsfreiheit ihre persönliche Meinung vertreten.

Kinderarzt überlegt Schließung der Ordination
Der Schaden ist trotzdem angerichtet. Unabhängig vom Ausgang dieser kurios zustande gekommenen Anzeige überlegt sich Dr. Winder, ob er seine Ordination in der Gemeinde schließen soll. Im Aushang schreibt er:

Ich überlege mir, ob ich grundsätzlich in einem Umfeld und Klima, wie es offensichtlich in Wolfurt unter dieser politischen Führung herrscht, meine Tätigkeit als Kinder- und Jugendarzt fortführen kann und will.

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